Sport : Ohne Kling und ohne Klang

Wer hat nun die klügere, umsichtigere Vereinsführung, Hertha BSC oder Schalke 04? Vielleicht eine müßige Frage, aber bemerkenswert ist schon, wie beide Klubs ihre künftige Trainingsleitung regeln. Bei den Berlinern, mit ihrem Anspruch auf Metropolenfußball, verdichten sich die Zeichen, dass der Niederländer Huub Stevens, der vormalige und erfolgreiche Schalker Coach, ab der kommenden Saison ein wenig schillern soll. Bei Schalke wird dann Frank Neubarth ein wenig arbeiten. Frank wer?

Neubarth, einst recht erfolgreicher Torschütze im Dress von Werder Bremen und inzwischen Amateurtrainer ohne Meriten. Er erfordert zumindest mehr Mut, der Weg, den die Gelsenkirchener da beschreiten. Es dürfte auch für 04 keine Schwierigkeit gewesen sein, einen der etablierten Trainer ins Revier zu locken, unter Stevens reifte Schalke in den vergangenen sechs Jahren wieder zu einer nationalen Größe. Neubarth aber wurde erwählt, ein Mann ohne Erfahrung, ohne Kling, ohne Klang, ohne Tamtam. Was umso erstaunlicher ist, als Schalke nach dem Getöse um die neue Superarena wieder in die Bodenständigkeit zurückfindet. So viel Mut hatte zuletzt Borussia Dortmund, als es Ottmar Hitzfeld engagierte. Der hatte damals circa ein paar Dutzend Schweizer Meisterschaften vorzuweisen, war also auch so etwas wie Amateurtrainer ohne Erfahrung, Meriten, Kling und Klang. Was daraus geworden ist, ist bekannt. Eine Sicherheit für Neubarths Erfolg ist das nicht, aber der Beleg, dass der Mut zur unkonventionellen Entscheidung sich lohnen kann. Und den Förderpreis für den einheimischen Nachwuchs, den kann sich Schalke, der Meister der Herzen, auch schon mal anstecken.

Wer Programmatisches hinter beider Entscheidungen sucht, bitteschön, der wird fündig. Hertha - auch wenn es nicht zu klappen scheint mit den ganz großen Namen des Metiers, mit den Cruyffs/van Gaals/Wengers wählt den bayrischen Weg, mit dem Versuch, die Spitze zu toppen. Schalke orientiert sich nur ein paar Kilometer weiter in der östlichen Nachbarschaft an den Dortmundern. Erstaunlich genug.

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