Sport : Ohne Maske steht Rocky im neuen Licht

MICHAEL ROSENTRITT

Nach dem Abtritt des Frankfurters ist der Berliner die neue Nummer eins in Deutschland VON MICHAEL ROSENTRITT

BERLIN. Der Gentleman Henry Maske hat abgedankt - es lebe das Rauhbein Rocky! Oder mit den schnörkellosen Worten Graciano "Rocky" Rocchigianis gesprochen: "Nu muß et bloß noch losjehn." In einem Berliner Hotel signierte der 32 Jahre alte Rechtsausleger einen "Veranstaltervertrag" mit der Sauerland-Promotion und dessen Partner RTL.Nach zweimonatigem Tauziehen um den ehemaligen Welt- und Europameister einigten sich beide Seiten auf diesen Kontrakt mit einer Laufzeit von einem Jahr ohne Optionen."Festgeschrieben sind drei Kämpfe, die bis Ende 1997 über die Bühne gehen sollen", sagte Wilfried Sauerland.Gegner seien ebenso offen wie die Frage, ob bereits der erste Auftritt Rocchigianis schon ein WM-Kampf sein wird."Fakt ist nur", so Sauerland, "daß wir Ende März/Anfang April in die Schmeling-Halle nach Berlin wollen". Zu Jahresbeginn wird Rocchigiani nach Detroit gehen, um erneut unter dem Erfolgstrainer Emanuel Stewart arbeiten zu können.Wenn es nach dem Willen Sauerlands und Rocchigianis ginge, würde der Berliner zunächst um einen vakanten Titel (aber nicht um den der WBO) boxen, diesen einmal erfolgreich verteidigen und dann zum Ende des kommenden Jahres auf Virgil Hill treffen, der am vergangenen Sonnabend Henry Maske eine Niederlage zugeführt hatte. RTL-Chefredakteur Hans Mahr freute sich, mit dem Berliner den Mann gebunden zu haben, der nach dem Abtritt Henry Maskes die Nummer eins in Deutschland sei: "Mit ihm wird das Berufsboxen ein gerngesehener Sport bleiben." Bei einem WM-Kampf rechnet Fernsehmann Mahr mit einer Zuschauerquote, "die im zweistelligen Millionenbereich liegen wird".Daß der nicht ganz einfach zu handhabene Rocchigiani praktisch der Gegenpol zu Maskes Gentleman-Gehabe ist, störe Mahr keinesfalls."Leichte Typen gibt es nicht.Auch mit Maske war es nicht einfach.Und Rocky ist für mich, wie er boxt: ehrlich, aufrecht, kompromißlos." Letztlich hat sich Rocchigiani nach Absprache mit dem im deutschen Sport recht bekannten Rechtsanwalt Reinhard Rauball, der für den Boxer den Vertrag aushandelte, für Sauerland entschieden.Insgesamt habe man "parallel mit drei weiteren Interessenten verhandelt".Rauball: "Für Sauerland und RTL gaben letztlich die Erfahrung sowie die besseren Vermartungsmöglichkeiten meines Mandanten den Ausschlag." Rocchigiani sprach diesbezüglich von einer "sportlich und finanziell guten Sache".Neben Sauerland hatte sich vor allem der mächtige US-Promotor Don King, jener Mann mit der Starkstrom-Frisur, zusammen mit dem Pay-TV-Sender Premiere hartnäckig um den mitunter sturen Boxer gebuhlt.Zudem seinen noch "zwei private Konsortien" interessiert gewesen, die aber laut Rauball "relativ wenig bis gar nichts mit der Boxszene zu tun haben". Schon einmal, von 1983 bis 1991, hatte Sauerland mit dem Berliner Boxer zusammengearbeitet.Unter dem Managment Sauerlands wurde Graciano Rocchigiani am 11.März 1988 mit einem Sieg über Vincent Boulware IBF-Weltmeister im Supermittelgewicht.Diesen Titel konnte "Rocky", der von engen Freunden auch "Gratze" genannt wird, dreimal verteidigen, ehe er wegen Gewichtsproblemen dazu nicht mehr in der Lage war.Im Trennungsjahr 1991 erkämpfte sich Roccchigiani noch einmal den Europameistertitel, diesmal im Halbschwergewicht, als er den starken Crawford Ashley schlagen konnte.Danach hatte Rocchigiani gegen Chris Eubank (WBO), Frederic Seillier (Europameisterschaft), sowie zweimal gegen Henry Maske (IBF) weitere Titelkämpfe nicht gewinnen können.

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