Sport : Ohne Mitgift

Timo Glock hofft allein durch sein Talent auf einen Stammplatz in der Formel 1 im Jordan-Team

Karin Sturm

Solch einen Einstieg in die Formel 1, wie er Mitte Juni dem jungen Timo Glock in Kanada gelang, gibt es nicht oft. Bei seinem Debütrennen fuhr der Odenwälder aus Wersau immerhin gleich auf die Punkteränge. Dass dies kein Zufall war, demonstrierte Glock im Jordan nun auch beim Regen- und Sturm-Wochenende in Suzuka. Auf dem ihm unbekannten Kurs fuhr er im Training auf Rang sechs. Wenn dieses unter schwierigen Bedingungen gefahrene Ergebnis auch längst kein Maßstab für das heutige Rennen (7.30 Uhr MESZ/live in Premiere und RTL) ist, es beweist aber immerhin, dass der 22-Jährige keine sich bietende Chance auslässt, sein Talent unter Beweis zu stellen. Sicher, da spielten auch günstige Umstände wie die Disqualifikationen der BMW-Williams und der Toyota in Kanada oder jetzt in Japan der klare Vorteil der Bridgestone-Reifen im Regen mit, aber dennoch: Gerade diese Fähigkeit, aus solchen Umständen dann auch stets für sich das Beste herauszuholen, zeichnet die Erfolgstypen aus.

Als Glock zu Saisonbeginn direkt aus der Formel 3 als Testpilot bei Jordan einstieg, da fragten viele im Formel-1-Establishment noch: Timo, wer? Es wurde gemutmaßt, eine große Mitgift, aufgetrieben vom rührigen Mann hinter Glock, Hans-Bernd Kamps, stecke wohl nicht hinter dem Deal. Inzwischen sind alle eines Besseren belehrt worden. Durch Vertrags- und Geldprobleme von Jordan- Stammfahrer Giorgio Pantano ins Renncockpit gekommen – zunächst in Montreal , jetzt auch für die letzten Saisonrennen – hat der Deutsche bewiesen, dass er absolut konkurrenzfähig ist.

Der Maßstab für diese Bewertung ist zunächst der eigene Teamkollege gewesen. Der heißt Nick Heidfeld, und hinter ihm braucht sich Neuling Glock, wie die Ergebnisse zeigen, überhaupt nicht zu verstecken. Allein dieser Fakt nährt bei Glock einige Hoffnungen für die Zukunft in der Formel 1.

Was natürlich Auswirkungen auf die Zukunft hat, Perspektiven bietet - oder zumindest die Hoffnung darauf: „Wenn ich wirtschaftlich frei entscheiden kann, dann ist Timo für 2005 gesetzt“, hat Teamchef Eddie Jordan dem Glock-Vermarkter Hans-Bernd Kamps gegenüber versichert. Wie viel diese Aussage wert ist, kann nur die Zukunft zeigen. Drei Fragen sind dabei offen: Kann Jordan sein Team 2005 überhaupt selbst weiterführen oder muss er es doch verkaufen oder gar ganz aufgeben? Zweitens: Wenn es für Jordan weitergeht, kann er sich dann einen Fahrer leisten, der höchstens eine kleine Mitgift mitbringt? Drittens: Selbst wenn er das kann, hält er sich dann an sein Versprechen?

Bleibt das Jordan-Team in der Formel 1, „dann wäre es die beste und vernünftigste Lösung, dort weiterzufahren, wo ich alles kenne". Die Chance, irgendwo anders einen Platz als Stammfahrer zu bekommen, sind für das Talent Glock eher geringer. Notfalls wäre auch ein erneuter Testfahrer-Job eine Lösung – auch wenn Hans-Bernd Kamps sagt: „Es wäre sehr wichtig, dass Timo möglichst bald mal eine komplette Saison als Rennpilot durchfährt. Denn das ist das, was wir in allen Verhandlungen mit größeren, erfolgreicheren Teams immer wieder zu hören bekommen. Er müsse halt erst mal ein komplettes Rennjahr hinter sich haben, ehe man ihn wirklich einschätzen und dann auch verpflichten könne.“

Aber Kamps, der mit seiner Agentur auch in der amerikanischen Nascar-Serie mit Klaus Graf und im Porsche-Cup mit eigenem Team aktiv ist, hält seinen Schützling für stark genug, sich auf jeden Fall durchzusetzen. Ob die Zusammenarbeit mit einem großen Team, der Umgang mit Hightech, umfangreiche Datenauswertungen, aber auch Marketing-, PR- und Medienarbeit – bei all dem machte der Youngster sehr schnell eine gute Figur. Die will er jetzt auch im Rennen abgeben.

Obwohl die Tatsache, dass der gefürchtete Taifun am Ende doch an Suzuka vorbeizog und nicht einmal ein ausgiebiges „normales Regenfeld“ hinterließ, die Aufgabe für ihn erschweren dürfte. „Von mir aus könnte es ruhig das ganze Wochenende regnen“, hatte er schon am Freitag locker gesagt. „Mir liegt das einfach.“ Aber die Vorhersagen am Samstagabend in Suzuka verkündeten für den Sonntag eindeutig ein anderes Wetter für den 17. von 18 WM-Läufen: „Trocken, immer größere Wolkenauflockerungen und Sonne.“ Selbst bei Erfolgstypen wie Timo Glock läuft eben nicht immer alles ganz nach Wunsch.

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