Sport : Ohne Ohrstöpsel und mit Durchblick

Alba Berlin gewinnt trotz lärmender Bamberger Fans das erste Endspiel um die Basketball-Meisterschaft

Helen Ruwald

Bamberg. Wer am Sonntagnachmittag in der Bamberger Innenstadt gemütlich einen Kaffee trinken wollte, hatte zumindest eines nicht: Ruhe. Zum einen wegen der Automobiltage, zum anderen weil Radio Bamberg die Wiederholung einer Sendung vom Mittwoch brachte. Über Lautsprecher grölten Fans: „Fi-na-le, Fi-na-le“, es war der aufgezeichnete Jubel nach dem Einzug der Basketballer des TSK Bamberg in das Play-off-Finale um die deutsche Meisterschaft: Dass die Fans bald „Meis-ter, Meis-ter“ brüllen werden, ist nach dem gestrigen Tag nicht mehr ganz so wahrscheinlich. Im ersten von maximal fünf Endspielen setzte sich Alba Berlin in Bamberg mit 73:69 (41:34) durch. Und das, obwohl Spielmacher Mithat Demirel verletzt fehlte. Spiel Nummer zwei und drei finden am Mittwoch und Sonntag in der Max-Schmeling-Halle statt. Gewinnt Alba Berlin beide Partien, kann die Mannschaft in sechs Tagen den siebten Meistertitel in Folge feiern.

Die Chance, Alba abzulösen, hat aus Bamberg eine Stadt der Basketballverrückten gemacht. Die Plakate für das Theaterstück „Punkt gegen Punkt: Eine Basketball-Soap“ hängen schon, und der Finaleinzug ist für manche Bamberger ein kleines Geschäft. Gestern wedelten vor der Halle, dem Forum, viele Hände mit gelben Tickets für das Spiel: Stehplatz 20 Euro statt regulär 14.50, Sitzplatz 35 statt 25 Euro. Die Halle selbst ist winzig, vollgequetscht bis oben hin, stickig, in der Luft hängt der Geruch von hunderten von Wunderkerzen – und es ist unglaublich laut. Ständiges Trommeln und Tröten veranlasst so manche Mutter, ihrem Kind in Reihe eins gelbe Ohrstöpsel zu verpassen.

„Es war nicht einfach in dieser Atmosphäre. Es war so heiß, dass wir in den letzten zehn Minuten keine Kraft mehr zum Atmen hatten“, sagte Albas Trainer Emir Mutapcic. „Wir haben einen kühlen Kopf behalten“, erklärte Teoman Öztürk den Erfolg in einer kampfbetonten Partie mit einigen unsauberen Aktionen. Nach schneller 11:3-Führung durch zwei Dreier von Vladimir Petrovic und einem 36:24-Vorsprung im zweiten Viertel wurde die Schlussphase dramatisch. Noch 14,2 Sekunden: Albas Center Jovo Stanojevic, mit 18 Punkten bester Werfer seines Teams, verwandelt zwei Freiwürfe. 70:67 für Berlin. Noch 8,3 Sekunden: Bambergs Rick Stafford verkürzt ebenfalls per Freiwurf auf 69:70. Sofort Foul an DeJuan Collins, die Uhr springt nicht weiter. Immer noch 8,3 Sekunden: Collins trifft einen Freiwurf, vergibt den anderen, 71:69 für Berlin. Anschließend die riesige Chance für Bamberg. Gert Kullamäe hat sich bis direkt unter den Alba-Korb durchgearbeitet, er muss den Ball nur noch reinmachen, dann gibt es Verlängerung. Er scheitert. Im Gegenzug verwandelt Collins (17 Punkte) seine Freiwürfe neun und zehn. Nur einen hat er gestern vergeben.

Wegen Demirels Fehlen war die starke Leistung von Collins um so wichtiger. In den letzten Partien hatte Demirel trotz eines schmerzenden Blutergusses in der Ferse gespielt. Noch am Donnerstag, nach dem Einzug ins Finale, hatte er gesagt: „Drei bis fünf Spiele muss ich noch durchhalten, bis zum Ende der Serie eben.“ Doch am Spieltag fiel die Entscheidung gegen sein Mitwirken. „Der Arzt hat gesagt, dass ein Einsatz eine große Gefahr bedeutet“, sagte Emir Mutapcic. Eine längere Zwangspause hätte die Folge sein können. Die Mannschaft von Alba bewies gestern Größe, auch ohne Demirel trotzte sie der Hitze und dem Krach. Und das ganz ohne Ohrstöpsel.

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