Sport : Ohne Price

Alba Berlin muss einen neuen Spielmacher suchen

Benedikt Voigt

Berlin - Wahrscheinlich waren die wechselnden Fußballtrikots bereits ein Vorzeichen. Zu Saisonende konnten die Fans von Alba Berlin ihren Aufbauspieler Hollis Price nach Basketballspielen in unterschiedlichen Fußballtrikots bewundern: Erst im deutschen, dann im brasilianischen, schließlich im portugiesischen Trikot. Auf die Frage, für welches Team sein Herz nun tatsächlich schlage, antwortete er: „Für das, das am Ende gewinnt.“ Offenbar will sich der 26-Jährige nur ungern festlegen, das bekam jetzt auch Alba Berlin zu spüren. Hollis Price zieht weiter.

Falls er es nicht sogar in die nordamerikanische Profiliga NBA schafft, wird er in der kommenden Saison bei Caja San Fernando in Sevilla spielen. Alba Berlin hingegen hätte Hollis Price gerne behalten. „Das ist schade“ sagt Vizepräsident Marco Baldi, „wir haben ihm ein gutes Angebot gemacht, mehr konnten wir nicht tun.“ Doch die Offerte aus Spanien ist offenbar lukrativer. „Es trifft uns nicht ganz unerwartet“, sagt Baldi, „wir haben uns darauf schon eingerichtet.“ In den Gesprächen nach Saisonende stellte er fest, dass sich Hollis Price stets zurückhaltend geäußert hat, wenn es um seine Zukunft bei Alba ging. „Er ist keiner, der sich jetzt schon an einem Platz sieht“, sagt Baldi, „er ist ein Abenteurer im positiven Sinn.“ Das Abenteuer Berlin endet für ihn schon nach nur einer Saison.

Albas Trainer Henrik Rödl und Kotrainer Calvin Oldham müssen nun in den Sommerligen der NBA nach einem neuen Spielmacher suchen. Schon jetzt ist klar, dass auch in der kommenden Saison eine neuformierte Alba-Mannschaft auflaufen wird. Ähnlich wie bei Price wird es schwer, Centerspieler Sharrod Ford zu halten, der ebenfalls ein Angebot Albas vorliegen hat. Zuletzt hatte Alba Berlin Julius Jenkins und Koko Archibong als Zugänge verpflichtet. Damit ist klar, dass Mike Penberthy und Luke Whitehead die Berliner verlassen werden.

Alba verliert in Hollis Price auch jenen Spieler, der für durchschnittlich 15 Punkte pro Spiel und die Schnelligkeit im Spiel verantwortlich war. Der Teamkapitän entwickelte sich durch seinen großen Einsatzwillen schnell zum Publikumsliebling. Sein Abschied trifft Alba schwer, bietet aber auch einen Vorteil. „Das Budget ist jetzt nicht bis Ende Juli blockiert“, sagt Baldi. Und bei allen Verdiensten, die sich Hollis Price um Alba erworben hat, gab es auch einige Nachteile: Der schmächtige, 1,86 Meter große Spielmacher hatte in der Verteidigung häufiger Probleme gegen körperlich stärkere Aufbauspieler. Und er leistete sich in einigen Play-off-Spielen folgenschwere Fehlpässe. „Er ist nicht unersetzlich“, sagt Baldi und verspricht, „wir werden einen gleichwertigen Spieler finden, wenn nicht einen besseren.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar