Sport : Ohne Punkte und Präsente Nach 0:1 gegen Wolfsburg hat Bremen wieder Angst

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Sorgen zum Geburtstag. Trainer Schaaf muss um den Klassenerhalt bangen.Foto: dpa
Sorgen zum Geburtstag. Trainer Schaaf muss um den Klassenerhalt bangen.Foto: dpaFoto: dpa

39 Jahre hat Thomas Schaaf als Mitglied des SV Werder Bremen zugebracht – davon 17 Jahre als Profispieler, sechs Jahre als Amateur- und zwölf Jahre als Cheftrainer. Klar, dass sich eingedenk dieses grün-weiß bestimmten Fußballer-Lebens die Werder-Institution Schaaf gewünscht hätte, kurz vor seinem 50. Geburtstag am Samstag alle Abstiegssorgen an der Weser zu vertreiben. Doch letztlich fehlten Schaaf nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg am Jubiläumswochenende gleich zwei Dinge: die Punkte und die Präsente, wie sein treuer Weggefährte, der vier Jahre ältere Klaus Allofs, anmerkte: „Wir schenken uns nichts, er hat mir damals auch nichts geschenkt.“

Galgenhumor nach einem Genickschlag, der die Bremer im wirren Abstiegskampf noch in Bedrängnis bringen könnte – erst recht, wenn auch das kommende Heimspiel gegen Borussia Dortmund verloren gehen sollte. Klaus Allofs sagte: „Im Kampf gegen die Relegation sind wir wieder mittendrin.“

Die Folge einer fatalen Fehleinschätzung? „Wir dachten, wir sind schon durch“, konstatierte der Vorstandschef. Und der Chefcoach kritisierte die eigene Spielweise: „Wir haben keinen Druck aufgebaut, unsere Offensive war zu schwach.“ Der ineffektive Marko Marin, der auf der Spielmacherposition nicht am besten aufgehoben ist, und der indisponierte Angreifer Marko Arnautovic, dessen arrogante Attitüde viele im Bremer Umfeld nervt, dürften die ersten Adressaten dieser Kritik sein, die Schaaf nicht an Namen festmachte. Der Fußballlehrer gewährte seinem Team trotzdem zwei freie Tage – vielleicht auch, weil man die Kraft wohl bis zum Saisonfinale beim 1.FC Kaiserslautern benötigt. „Das haben wir uns selbst zuzuschreiben“, klagte Kapitän Torsten Frings nach seinem 400. Bundesligaspiel.

Trost sprach auf dem Rasen ausgerechnet einer aus, der vor nicht allzu langer Zeit noch Zauberfußball der Marke Werder personifizierte: der ehemalige Bremer und Wahl-Wolfsburger Diego. Dass der 26 Jahre alte Brasilianer nach dem Schlusspfiff mit Turnschuhen auf den Rasen zurückgekehrt war, nachdem er nach seiner Auswechslung wie eine beleidigte Diva unter dem Beifall der Werder-Anhänger schnurstracks in die Kabine marschiert war, sei eine Selbstverständlichkeit gewesen, beschied Diego den Journalisten später.

„Jeder will 90 Minuten spielen, aber ich respektiere die Entscheidung des Trainers“, sagte er, „ich wollte nur schnell die Kleider wechseln.“ So redet einer, der einen Eklat geschickt im Keim erstickte – genau wie Trainer Felix Magath. „Er darf sich ruhig ärgern, wichtig ist nur, dass wir zusammen so weitermachen.“

In der Tat scheint sich sein als Ansammlung von Söldnern titulierter Luxuskader gerade noch rechtzeitig auf die Elementartugenden zu besinnen – der kürzlich sehr erzürnte VW-Boss Martin Winterkorn vernahm den zweiten Befreiungsschlag binnen sechs Tagen im Weserstadion persönlich mit Wohlgefallen. Der zweifache Torschütze Sascha Riether sagte: „Alle haben mitgearbeitet – nur so geht’s.“

Trainer Felix Magath ist sogar wieder zuversichtlich, seine Mission ohne den Umweg der Relegation zum erfolgreichen Ende zu bringen. „Wenn wir weiter so fighten, wird es für einen frühen Urlaub reichen.“ Und, welch Wunder beim strengen Zuchtmeister: Nach dem Auslaufen am Samstag beginnt der Mai auch für die Wolfsburger Profis mit zwei arbeitsfreien Tagen.

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