Sport : Ohne Schutzpatron

-

Christian Hönicke über

Ferrari und Giovanni Agnelli

Es war eine letzte große Geste. Das Formel1-Team von Ferrari benennt sein neues Auto nach dem kürzlich verstorbenen Giovanni Agnelli: F2003-GA heißt der Flitzer, der gestern präsentiert wurde. Doch diese Geste hat eine tiefere Bedeutung. Das Team um Michael Schumacher weiß nur zu gut, was es mit dem Chef des Konzerns Fiat, zu dem auch Ferrari gehört, verloren hat. Ohne Agnellis finanzielle Fürsprache wäre Schumacher letztes Jahr kaum Weltmeister geworden. Denn Grand-Prix-Siege beruhen nicht zuletzt auf monetären Möglichkeiten.

Der Jahresetat des Formel-1-Teams – rund 400 Millionen Euro – beträgt mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes. Es ist kein Geheimnis, dass Fiat unter dem Motorsportfan Agnelli riesige Summen in die kleine Rennwagenfirma pumpte. Nur so konnte das zwischen 1979 und 1999 eher erfolglose Formel-1-Team am Leben erhalten werden.

Jetzt hat Ferrari zwar drei Mal in Folge die WM gewonnen, aber mit dem Tod des Schutzpatrons Agnelli ist die wirtschaftliche Sicherheit weg. Und Fiat geht es so schlecht, dass ein Verkauf von Ferrari erwogen wird. Das dürfte zwar allein aus Imagegründen die letzte Option sein, um das marode italienische Staatsunternehmen zu sanieren. Doch selbst wenn Fiat Ferrari halten kann, sind die sorglosen Zeiten vorbei. Zuschüsse für die Formel 1 wird es nicht mehr geben.

Dafür gibt es endlich wieder Hoffnung für die gebeutelte Konkurrenz und die gelangweilten Fans. Denn je weniger Geld Ferrari hat, desto größer sind die Chancen für die Gegner. Der US-Konzern General Motors, der Fiat jetzt retten soll, wird sein Geld nicht im gleichen Umfang wie Agnelli in den Rennsport stecken. Angeblich hat Ferrari aber schon einen Plan, um den potenziellen Eigner generös zu stimmen. Das nächste Modell soll nach ihm benannt werden: F2004-GM.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben