Sport : Ohne Sinn, mit Methode

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Christian Hönicke über Max Mosley

und den Formel1-Abschied aus Europa

Jedes Mal, wenn Max Mosley den Mund aufmacht, zucken die Formel-1-Fans zusammen. Beim letzten Mal hat er sie mit eher sinnfreien Forderungen nach Regeländerungen verblüfft. Diesmal geht der Präsident des Motorsport-Weltverbands Fia noch ein bisschen weiter. Der „Focus“ meldet, dass Mosley keine Formel-1-Rennen mehr in Europa austragen will, falls das Tabakwerbeverbot schon 2005 statt wie ursprünglich einmal vorgesehen 2006 in Kraft tritt.

Viel mehr noch als die Fans sind diesmal wohl die Sponsoren zusammengezuckt. Die kommen nämlich zum Großteil nicht aus der Tabakindustrie, sondern heißen Siemens, Allianz, Warsteiner, Fiat oder Sachs und sitzen, richtig, in Europa. In den noblen Vorstandsetagen dürfte da wenig Freude aufkommen, wenn die teuer bezahlten Logos künftig vor einer Hand voll aufgeregter Einheimischer in, sagen wir, Ulan Bator spazieren gefahren werden.

Natürlich will die Formel 1 und mit ihr die Sponsoren und Teams expandieren, ihre Marken auch in Asien und Afrika bekannt machen. Aber das Kerngeschäft liegt in Europa. Hier hat die Formel 1 ihren Ursprung, ihre Fans und ihre Geldgeber. Der Grund für Mosleys Aussage ist also rational zunächst nicht zu erklären. Aber das ist vielleicht seine Taktik, so war es auch bei der Diskussion um die Regeländerungen nach der vergangenen Saison. Er forderte auch damals schon Utopisches wie einen Fahrertausch, was alle verhindern wollten – und bekam mit einem neuen Qualifikations- und Punktemodus das, was er wirklich erstrebt hatte.

Aber was will Mosley diesmal? Vielleicht ist es ganz einfach: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat seinem Freund Mosley erzählt, dass er auch noch den Kurs in Silverstone kaufen will. Ein paar andere hat er ja schon. „Aber dieser in England ist zu teuer“, klagte Ecclestone wahrscheinlich und fragte wohl: „Kannst du da nicht was machen, Max?“ „Klar“, muss Mosley geantwortet haben. „Ich sage einfach, dass wir die Formel 1 aus Europa zurückziehen. Wirst sehen, dann ist Silverstone nur noch die Hälfte wert.“

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