• „Ohne Streben bleibt alles Mittelmaß“ Trainer Gyöngyösi über seine Aufgabe in Spandau

Sport : „Ohne Streben bleibt alles Mittelmaß“ Trainer Gyöngyösi über seine Aufgabe in Spandau

Andras Gyöngyösi, 45, aus Ungarn wird im August als Nachfolger des Serben Nebojsa Novoselac neuer Wasserball-Trainer von Spandau 04. Heute (19.30 Uhr) bestreitet Spandau das vierte Spiel des Best-of-Five-Finals um die deutsche Meisterschaft. Derzeit führt der ASC Duisburg 2:1. Foto: Camera 4
Andras Gyöngyösi, 45, aus Ungarn wird im August als Nachfolger des Serben Nebojsa Novoselac neuer Wasserball-Trainer von Spandau...Foto: camera4

Sind Sie Masochist, Herr Gyöngyösi?

Das ist eine seltsame Frage für ein Interview über Wasserball.

Sie wechseln aus dem Wasserball-Mutterland in ein Entwicklungsland und trainieren künftig die Wasserfreunde Spandau.

Entwicklungsland, das scheint mir übertrieben. Vor allem, wenn ich an Spandau 04 denke. Hagen Stamm und Peter Röhle kenne ich aus meiner aktiven Zeit. Schon damals hätten sie sich nicht mit Mittelmaß begnügt. Der Ruf von Spandau ist nach wie vor exzellent, das ist eine Topadresse im Wasserball. Ich will dabei helfen, dass das wieder so wahrgenommen wird. Wenn es viel Arbeit macht, ist es genau richtig für mich. Was ich beim 10:7 im dritten Finalspiel gegen Duisburg gesehen habe, darauf kann man mit einem jungen Team aufbauen.

Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Stimmt, und das ist auch gut so. Meine Philosophie ist es, sich nicht mit dem aktuell Erreichbarem zu begnügen, sondern das Maximum zu wollen. Dafür setze ich hohe Standards. Die Schwächeren müssen nach dem Level der Besten streben. Das hört sich wie das Verlangen nach dem Unmöglichen an. Aber ohne dieses Streben bleibt alles Mittelmaß.

Sie glauben, dass Sie Spandau in Europas Spitze zurückführen können?

Ich werde es zumindest versuchen. Spandau hat eine große Tradition, und die deutsche Mentalität ist sehr nah bei meiner.

Haben Sie den Weg des deutschen Wasserballs in den letzten Jahren verfolgt?

Hagen Stamm hat ein paar starke Resultate mit dem Nationalteam zustande gebracht. Ich hoffe, dass ich daran anknüpfen kann und der Entwicklung des Wasserballs in Deutschland wieder mehr Schwung verleihen kann. Will sich die Auswahl international gut verkaufen, muss das von den Vereinen in der Bundesliga ge- und unterstützt werden. Ich denke, dass das deutsche Nationalteam bei der WM im Sommer in Barcelona ein gutes Resultat schaffen kann. Und wenn das gelingt, wird es auf die Klubs zurückschlagen – dann wächst das Selbstvertrauen und damit die Chance, dass die deutschen Spitzenvereine gut in der Champions League abschneiden.

Wie lange wollen Sie in Berlin bleiben?

Zunächst einmal ein Jahr ab August, quasi zur Probe. Ich möchte aber gern länger hier tätig sein. Hagen Stamm hat mir gesagt, dass es nicht Spandauer Praxis ist, jedes Jahr den Trainer zu wechseln. Ich werde ihn beim Wort nehmen.

Wie sieht Ihre Spielphilosophie aus?

Wir müssen versuchen, in der Verteidigung auf höchstem Niveau zu spielen. Mit perfekter Defense kann man Schlüsselspiele gewinnen. Das schließt eine attraktive Offensive nicht aus. Ich will die ungarische Individualität, Kreativität und Mut zum Risiko zusammenbringen mit taktischer Klugheit. Ich glaube an harte Arbeit.

Wird Sie Ihr Engagement in Spandau persönlich voranbringen?

Ganz bestimmt. Ich glaube an mich selbst. Ich will Resultate bringen, die mir vielleicht niemand zutraut. So, wie ich es in Ungarn mit meinen Teams geschafft habe, die in der Regel nur den halben Etat der Topvereine hatten. Ich bin ein durch und durch optimistischer Mensch. Ich liebe es, mein Leben zu leben, weil wir nur einmal die Chance dazu haben.

Das Gespräch führte Klaus Weise.

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