Sport : Ohne Trainer, ohne Mannschaft

1860 München stünde im Abstiegsfall vor einer düsteren Zukunft

Daniel Pontzen[München]

Es ist nicht leicht, als Präsident von 1860 München in diesen Tagen eine halbwegs erbauliche Einstellung zu seinem Amt zu finden. Karl Auer hat es geschafft. In seine zweimonatige Amtszeit fallen die Aufarbeitung eines Stadionskandals, eine Trainerentlassung, ein zehrender Machtkampf mit dem Vizepräsidenten samt dessen Rücktritt, all das begleitet vom sportlichen Niedergang. Man nimmt Auer ab, wenn er behauptet: „Mich kann hier nichts mehr schocken.“ Selbst die Aussicht auf eine sehr kurzfristige Planung der neuen Saison. „Wir können nichts planen, was nicht Realität ist“, sagt Auer, solange noch Hoffnung auf den Klassenerhalt bestehe.

Langt es aber gegen Hertha erneut nicht zum Sieg, wäre der Abstieg kaum mehr zu vermeiden. Dies hätte gravierende Konsequenzen: Die Mannschaft drohte auseinander zu fallen, der Etat auf die Hälfte zusammenzuschrumpfen, eine neuerliche Trainersuche wäre wohl unumgänglich, hinzu käme die ewigjunge Stadiondebatte.

Die Lizenz hat 1860 zwar für beide Ligen erhalten, unter Auflagen (Vorlage der Jahresabschlussbilanz und monatliche Vorlage des Soll/Ist-Vergleiches), die vielen anderen Klubs auch gemacht wurden. Ein sehr spezielles Problem der Sechziger indes ist, dass der Verein mit Ausnahme eines einzigen Spielers sämtliche Profis mit Verträgen ausgestattet haben soll, die ihnen in der Zweiten Liga dieselbe Honorierung sichern wie in Liga 1. Dies berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Derartige Gehaltsausgaben sind in der Zweiten Liga, wo nur rund halb so viel an TV- und Werbeeinnahmen zu erwirtschaften sind, nicht zu stemmen.

Die Vereinsführung müsste also viele Spieler dazu überreden, für weniger Geld zu bleiben – oder ablösefreien Vereinswechseln zustimmen. Allzu weit fortgeschritten sind die Löwen nach eigener Aussage noch nicht im Bereich der Personalplanung. „Mit einzelnen Leuten haben wir gesprochen, mit anderen werden wir sprechen – und dann alle Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Auer. Bei dem zurzeit verletzten Nationalspieler Benjamin Lauth bedeutet das wohl: verkaufen. Die 850 000 Euro Jahresgehalt würden einen Zweitliga-Etat, der bei 1860 auf rund 15 Millionen Euro taxiert wird, über Gebühr belasten. Zudem könnte der Klub bei dem Eigengewächs eine üppige Ablöse kassieren, wenngleich die kolportierte Summe von fünf bis sechs Millionen Euro überhöht erscheint.

Den Trainer wird es aller Voraussicht nach in die Niederlande ziehen. Wie es aussieht, wird sich Gerald Vanenburgs Job im Falle des Abstiegs auf eine sehr überschaubare Mission beschränkt haben: die letzte fade Episode der Nichts-geht-mehr-Löwen dieser Rückrunde verwaltet zu haben. Nach seinem rührseligen Schwur „einmal Löwe, immer Löwe“ bei seiner Rückkehr vor vier Wochen verweigerte er zuletzt ein neuerliches Bekenntnis pro 1860.

Viel Arbeit käme auf ihn und seine Kollegen zu, sollte es heute keine drei Punkte gegen Hertha BSC geben. Einen Sommerurlaub hat Auer vorsichtshalber nicht geplant, aber das sei nicht schlimm. Er hat gelernt, mit den kleinen Unannehmlichkeiten, die seine Aufgabe für ihn bereithält, gelassen umzugehen. „Ich bin sowieso eher ein Fan des Winterurlaubs“, sagt er. Eben alles eine Frage der Sichtweise.

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