Sport : Ohne Wut

Albas Basketballer suchen nach der Niederlage gegen Köln den Kampfgeist

Benedikt Voigt

Berlin - In der letzten Spielminute erfand Marcin Gortat eine im Basketball neue statistische Kategorie: den Bodenrebound. Der polnische Centerspieler von Rhein Energie Köln lag in seiner gesamten Länge von 213 Zentimetern vor dem Berliner Korb auf dem Parkett, angelte sich mit seinen Armen irgendwie den Ball aus dem Gewühl und passte ihn liegend zu seinem Teamkollegen Demond Mallet. Auf diese Weise ging auch der Sieg in der neuen Kategorie der Bodenrebounds an Köln.

Alba Berlin hat beim 67:70 gegen den Deutschen Meister Köln das Spiel unter den Körben verloren. 16-mal fingen die Kölner Spieler nach eigenen Fehlversuchen den freien Ball und bekamen eine zweite oder dritte Wurfchance. Insgesamt fingen die Kölner neun Rebounds mehr als die Berliner. „Das hat uns sehr weh getan“, sagte Albas Kotrainer Calvin Oldham. Allerdings trat sein Team gehandicapt an. Julius Jenkins fehlte grippekrank, Chris Owens (11 Punkte) und William Avery (12 Punkte) spielten angeschlagen. „Das ist keine optimale Vorbereitung, aber es soll keine Entschuldigung sein“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi.

Wie schon im Uleb-Cup-Spiel gegen Real Madrid konnte sich Alba unter den Körben nicht behaupten, obwohl die Berliner in dieser Saison eine groß gewachsene Centerriege aufbieten. „Wir müssen unsere Gegenspieler besser vom Ball weghalten“, sagt Sharrod Ford, „das ist eine Teamaufgabe“. Er sicherte sich mit acht Rebounds noch die meisten abprallenden Bälle bei den Berlinern. Doch genau so viele fingen jeweils die beiden kleiner gewachsenen Flügelspieler Immanuel McElroy und Devin Green. „Wir wussten vorher, dass die kleineren Kölner Spieler gut rebounden“, sagt Baldi, „aber das umzusetzen, ist nicht so einfach“.

Stimmt die Basketball-Philosophie, nach der das Rebounden Willenssache ist, so fehlt es Alba zurzeit an Kampfgeist. „Man muss die ganze Zeit so hart kämpfen, als ob es das Ende des Spiels wäre“, sagt der ehemalige Berliner Spieler Matej Mamic, der diese Einstellung verkörpert hat. Dabei hat Mamic noch nicht einmal die erste Halbzeit gesehen, in der die Berliner auch spielerisch über weite Strecken unterlegen waren. Ab der 25. Minute aber begannen Albas Spieler, sich mit großem Einsatz den Bällen hinterher zu werfen. Weshalb Baldi die Einstellung nicht kritisieren will. „Wir haben eher das Problem, dass die Spieler manchmal zu viel wollen“, sagt der Berliner Manager. Er hat eine andere Schwierigkeit entdeckt: „Wir brauchen zu lange, bis wir in das Spiel finden.“

Das war auch gegen Ulm zu beobachten, doch konnten die Berliner diese Partie am Ende umbiegen. Die europaligaerfahrenen Kölner um den überragenden Aufbauspieler Demond Mallet (18 Punkte) ließen sich nicht beirren. Nach der einzigen Berliner Führung (64:62) erzielten sie sieben Punkte in Folge.

An der Berliner Tabellenführung in der Bundesliga ändert die Niederlage nichts, auch für das Rückspiel im Uleb-Cup-Achtelfinale am Mittwoch bei Real Madrid habe sie keine Bedeutung, glaubt Baldi: „Aber wir hätten bei einem Sieg Schwung mitnehmen können.“ So werden die Kölner zum Angstgegner, viermal in Folge konnten sie Alba besiegen. Jedes Mal war auch Sharrod Ford auf dem Platz, der Berliner sagt: „Langsam nehme ich es persönlich.“ Vielleicht kann er sich diese Wut ja für die nächsten Spiele bewahren.

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