Ole Bischof im Interview : "Kein Olympionike nagt am Hungertuch"

12.09.2012 12:22 UhrVon Nicolas Diekmann
Ole Bischof, 33, wurde als Judoka in der Klasse bis 81 kg 2005 Europameister und WM-Dritter 2009. Seine größten Erfolge feierte Bischof bei Olympia: Gold in Peking 2008, Silber jetzt in London. Nun wird der studierte Volkswirt bei einer Beratungsfirma arbeiten. Foto: dapd
Ole Bischof, 33, wurde als Judoka in der Klasse bis 81 kg 2005 Europameister und WM-Dritter 2009. Seine größten Erfolge feierte Bischof bei Olympia: Gold in Peking 2008, Silber... - Foto: dapd

Der Judoka hat nach Gold und Silber bei Olympia seine Karriere beendet. Im Interview spricht er über die Gründe, fehlende mediale Präsenz und lautstark feiernde Hockeyjungs.

Herr Bischof, wann haben Sie sich dazu entschieden, Ihre Karriere zu beenden?

Nach der extrem anstrengenden Qualifikation für London und dem großen Erfolg mit der Silbermedaille wurde mir klar, dass ich entweder bis zu den nächsten Olympischen Spielen weitermache oder meine Karriere jetzt beende. Judo ist eben eine olympische Sportart.

Was heißt das für Sie?

Es gibt Sportarten, dazu zählt auch Judo, die nur alle vier Jahre im Fokus der Öffentlichkeit stehen und in denen eine Olympiamedaille vielleicht noch mehr zählt als in anderen Sportarten. Ein dritter Platz bei Weltmeisterschaften kickt mich nicht mehr, da kann ich nichts mehr erreichen.

Daher will ich nun ein neues Kapitel aufschlagen und werde bei einem Beratungsunternehmen arbeiten.

Ihr ehemaliger Trainer Frank Wieneke war auch Olympiasieger im Judo. Es ist nicht unüblich, dass ehemalige Weltklassesportler direkt die Trainerlaufbahn einschlagen. Warum gehen Sie einen anderen Weg?

Ich brauche zunächst Abstand, ich mache ganz bewusst einen Cut. Aber vielleicht komme ich als Judotrainer irgendwann zurück. Judo ist eine Schule fürs Leben. Hier wird Fairplay von klein auf gelehrt. Der Sport hat es verdient, mehr im Mittelpunkt zu stehen. Wenn ich als Olympiasieger dazu beitragen kann, werde ich das tun.

Wie hat sich Ihr Leben nach Gold 2008 verändert?

Ich war zuvor schon Europameister, daher wurde ich in der Szene bereits gekannt. Als Olympiasieger ist das aber ein völlig anderes Level. Man bricht aus dem Kreis der eigenen Sportart aus. Es geht los mit zwei, drei Fernsehauftritten noch am Tag des Olympiasiegs. Dann ist meist erst einmal Pause. Und je nachdem, wie gut man diese ersten Pressetermine meistert, geht es zurück in Deutschland weiter. Es gibt unzählige Einladungen zu Dinnern, Abendterminen. Das ist eine Eintrittskarte, um Kontakte zu knüpfen. Ich habe unfassbar viele Menschen kennen gelernt.

Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien.  20 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Nordirland, Wales und England, hatten beim internationalen Schreibwettbewerb für das Jungreporterteam der Paralympics-Zeitung gewonnen. Foto: Thilo Rückeis

Medaillen und mehr: Schülerreporter der Paralympics Zeitung berichten von den Spielen in London 2012.

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