Sport : „Olé Olé Olé, Pierre Pagé“

Wie die Fans in Hohenschönhausen feiern

Mathias Klappenbach

Berlin - Zehn Minuten vor Beginn gibt es das erste große Pfeifkonzert. Das Bild ist ausgefallen, die überdimensionale Leinwand schwarz. Kurz kommt Angst auf, dass hier, zehn Meter neben dem Wellblechpalast, das Spiel gar nicht zu sehen sein wird und man doch nicht miterleben kann, wenn die Eisbären wieder Deutscher Meister werden. In den passen offiziell nur 4700 Menschen, deshalb haben „Fans für Fans“ neben der Eishalle des EHC Eisbären ein 1000 Quadratmeter großes Zelt aufgestellt, in dem sich schätzungsweise vier Menschen pro Quadratmeter drängeln. Das Bild kommt endlich wieder, in der Halle wird gerade die Nationalhymne auf einer E-Gitarre von Bernd Römer, dem Gitarristen der Rockband Karat, intoniert. Die Fans, die einen Sitzplatz haben, erheben sich von ihren Bierbänken und singen den Text.

Das Zelt erinnert an das Oktoberfest, ist aber ein zweites Fanstadion neben dem zu kleinen Wellblechpalast. „Ich weiß nicht, ob es bei den ersten Spielen hier auch so voll war“, sagt Dietmar. Der 36-Jährige hatte für das erste Spiel in der Finalserie eine Karte für die Halle, für heute hat er keine mehr bekommen und 2,50 Euro für das Zelt bezahlt. „Ich gehe gerne hierhin, weil alle zusammen feiern. Und der Welli ist unschlagbar“, sagt Dietmar. In zwei Jahren, wenn die Eisbären aus Hohenschönhausen wegziehen in die neue Arena am Ostbahnhof, will er aber mitgehen. „Es wird dort nicht so schön sein wie hier. Aber unser Lied heißt: ,Wir wollen die Eisbären sehen!‘ Dann müssen wir halt dorthin.“

Das Vereinslied singen die Fans in dem Zelt nicht, sie skandieren „Dynamo, Dynamo“, den alten Namen ihres Klubs. In der Übertragung aus der Halle war diese Anfeuerung eben zu hören, und der Außen-Fanblock im Zelt übernimmt sie. Es ist eine Aufforderung an die Mannschaft zu kämpfen, denn gerade ist Düsseldorf 1:0 in Führung gegangen. Als das 1:1 fällt, schwenken alle ihre Schals so wie die Fans in der Halle. Nach dem ersten Drittel liegt Düsseldorf 2:1 vorn. „Noch ist nichts verloren“, sagt Angelika, die mit ihrem kleinen Sohn hier ist und neues Bier für sich holt. Wäre es genauso schön wie letztes Jahr, als die Eisbären nach fünfzehn Jahren wieder Meister wurden? „Ja sicher. Wir feiern jeden Titel, als wäre es der erste und der letzte“, sagt Angelika mit dem roten Eisbären-Trikot und lacht. Im zweiten Drittel bebt das Zelt so sehr wie die Halle. Die Eisbären schießen drei Tore hintereinander, nach den Umarmungen singen die Fans: „Meister werden ist schön!“

Trotz der Partystimmung ist ein bisschen zu spüren, dass die Fans auch feiern, dass sie nicht enttäuscht werden. Denn jeder rechnet hier heute mit dem Titel, die eigene Mannschaft ist der große Favorit. Jetzt wird sich zugenickt, so als habe man doch gesagt, dass die Jungs das schaffen. Vor dem letzten Drittel wird das Eisbärenlied eingespielt, und alle singen mit. Die siegessichere Vorfreude verwandelt sich nach dem 6:2 in Dauergesänge. Das Spiel ist entschieden. Jetzt werden alle bekannten Sprechchöre durchexerziert und die Helden wie Torwart Pöpperle gefeiert. „Olé Olé Olé, Pierre Pagé“ tönt es durch die Halle, und im Zelt wird der Eisbären-Trainer genauso gefeiert. Und die ganze Zeit der Titel. Nach der Schlusssirene wird gejubelt, als ob es der erste und der letzte wäre.

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