Sport : Oligarx

Oligarch

Stefanie Flamm

Polizei und Geheimdienst sind in Putins Russland wieder für alles Mögliche zuständig. Doch eine Sprachpolizei gibt es dort nicht. Das Russische war schon immer integrativ. Wann immer ein Phänomen auftauchte, welches das Russische selbst nicht benennen konnte, borgte man sich das Wort in einer anderen Sprache. So heißen Friseure „parikmacher“ (also Perückenmacher), Dias sind „slajdy“ und Panzer „tanks“. Doch als nach der Privatisierung plötzlich sieben, acht Männer Russlands Reichtum verwalteten, musste man weit in der Geschichte zurückgehen, um auf den Begriff zu kommen: Im perikleischen Griechenland wurde man fündig. Oligarchie heißt wörtlich die Herrschaft der Wenigen. In Russland bedeutete es die Herrschaft einer Handvoll Superreicher. Ihre Hochzeit hatten die Oligarchen in Boris Jelzins zweiter Amtszeit; Putin hat ihnen den Kampf angesagt. Jelzins Stichwortgeber Beresowskij und Gussinskij wurden ins Ausland gejagt, mit den Übrigen ein Pakt geschlossen: Ihr Vermögen bleibt unangetastet, solange sie politische Enthaltsamkeit üben. Konkret bedeutet das: Wenn der Unternehmer Abramowitsch sich für 215 Millionen Euro den Fußballclub Chelsea FC kauft, ist das seine Privatangelegenheit. Wenn der Öl-Milliardär Chodorkowskij überlegt, die Liberalen zu einer starken Opposition hochzurüsten, kommt der Staatsanwalt, um nachzuschauen, wie er in den Besitz von zwei Dritteln der russischen Rohstoffvorkommen gelangt ist.

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