Sport : Oliver Bierhoff: Der falsche Bindenträger

Im Mittelpunkt steht einer, der gar nicht spielen wird. Die Personalie Oliver Bierhoff, vor allem seine künftige Rolle in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat die sportliche Bedeutung des ersten WM-Qualifikationsspiels am Samstag (19.00 Uhr/live in der ARD) gegen Griechenland in den Hintergrund gedrängt. Ausgerechnet DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer stellte den DFB-Kapitän vier Tage vor der Partie in Hamburg zum wiederholten Male in Frage. Der "Kaiser" nannte es "eine krasse Fehlentscheidung", den Torjäger vom AC Mailand zum Kapitän ernannt zu haben: "Um als Kapitän etwas bewirken zu können, brauchst du eine Hausmacht. Die kannst du nicht haben, wenn du im Ausland spielst", sagte Beckenbauer.

Eine Aussage, die Bierhoff am Mittwoch nach dem Training in Reinbek nur äußerlich gelassen konterte. "Ich glaube, dass Beckenbauer bei der WM 1990 selbst Lothar Matthäus von Inter Mailand zum Kapitän ernannt hatte. Das ist schon komisch, wenn er seine eigenen Entscheidungen anzweifelt. Deshalb kümmert mich das nicht", sagte der 32-Jährige zu Beckenbauers Kritik. "Vielleicht passe ich als Spieler nicht in jedes Muster. Vielleicht haben auch einige Probleme damit, dass sie mich falsch eingeschätzt und immer belächelt haben und jetzt sehen, wo ich stehe. Es ist doch eine gewisse Auszeichnung, dass ich als einziger Deutscher noch in Italien spiele", sagte der 50-malige Nationalspieler, der bereits vor der EM wegen einer längeren Torflaute in Frage gestellt worden war. Zuletzt hatte schon Paul Breitner Bierhoff offen zum Rücktritt aufgefordert, um einem Neuaufbau nicht im Wege zu stehen.

Doch daran denkt Bierhoff nicht, auch wenn er am Samstag gegen die Griechen nur zweite Wahl ist: "Ich werde wieder Leistung zeigen, und dann erledigen sich die Probleme von alleine." Auch denkt er nicht daran, sein Kapitänsamt niederzulegen. "Sicher könnte ich es mir einfach machen. Aber ich habe mich so an die Binde gewöhnt. Das ist eine Auszeichnung", erklärte der EM-Held von 1996: "Der Mannschaftsrat ist wichtiger als der Kapitän." Wobei er sich eine Spitze gegen Beckenbauer nicht verkneifen konnte: "Beckenbauer kann beruhigt sein. Im Mannschaftsrat sitzen auch zwei Bayern drin. Bayern hat so oder so eine Hausmacht."

Das Thema Bierhoff überschattete am Mittwoch auch das aktuelle Geschehen rund um die DFB-Auswahl. Vor allem hinter dem Einsatz von Stefan Beinlich steht ein Fragezeichen. Während die ebenfalls angeschlagenen Jens Nowotny, Dariusz Wosz und Marko Rehmer am Mittwoch wieder am Mannschaftstraining teilnahmen, konnte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC wegen einer Verletzung am Fuß nur ein leichtes Lauftraining absolvieren. "Wir hoffen, dass der Heilungsprozess so ist, dass er bald wieder am Mannschaftstraining teilnehmen kann und für Samstag eine Alternative darstellt", sagte Völler-Assistent Michael Skibbe. Eine Alternative dürfte Beinlich aber allenfalls für die Ersatzbank sein. Denn Völler wird die Mannschaft des Spanienspiels (4:1) nicht verändern. Das hält auch Bierhoff für gerechtfertigt: "Ich kann das verstehen, dass der Trainer die Mannschaft nach so einem Spiel nicht auseinander reißt." Wichtiger sei, "dass die Mannschaft einen guten Start in die Qualifikation erwischt".

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