Oliver Kahn im Interview : „Über Getafe werden wir noch in zehn Jahren reden“

Oliver Kahn
Oliver Kahn, 38, bestritt in Getafe sein 140. Spiel im Europapokal. -Foto: dpa

Herr Kahn, haben Sie schon mal so ein verrücktes Spiel erlebt?

Nein. Ich war schon überall, in Manchester, Madrid, Barcelona und wie die Gegner alle hießen in der Champions League – aber das war noch nie da. Wir werden in zehn Jahren nicht über Barcelona und die Niederlage gegen Manchester United im Champions-League-Finale 1999 reden, sondern über Getafe. So etwas habe ich noch nicht erlebt.

Anscheinend sollte das Spiel nicht Ihr letzter internationaler Auftritt sein.

Das Gefühl habe ich auch. Ich konnte meiner Mannschaft wenig helfen. Alles, was aufs Tor kam, war drin. Das einzig Produktive, was ich abgeliefert habe, war mein grandioser Sprint kurz vor Schluss nach vorne. Die waren dann kurz unkonzentriert, was uns beim 3:3 ein bisschen geholfen hat.

Sie sind nach dem Schlusspfiff in Ihrem Tor zusammengesunken.

Ich war fix und fertig, die psychische Belastung war sehr groß. Dann noch der Sprint und anschließend quer übers Feld zurück, durch jubelnde Bayern-Menschen. Das war unglaublich .

Heute hat der FC Bayern sein Glück sehr strapaziert.

Wenn wir vom Titel-Triple reden, sage ich immer: Das hängt von solchen Kleinigkeiten ab. Vom Glück im entscheidenden Moment, dass der Torwart beim 2:3 den Ball fallen lässt. So, wie wir heute gespielt haben, hat man international – das muss man fast so krass sagen – nichts verloren, schon gar nicht in der Champions League. Wir müssen jetzt diesen Erfolg mitnehmen. Das gibt so viel Selbstvertrauen.

Was sagen Sie zum FC Getafe?

Mir war klar, dass man hier nichts gewinnen kann. Hier hat Real Madrid nicht gewonnen, hier hat Barcelona, glaube ich, mal 0:4 verloren. Das ist eine kleine Mannschaft, die tolle Spieler hat, die kämpfen bis zum Umfallen. Wir haben das 1:1 gemacht und dachten: Die sind jetzt fertig mit einem Mann weniger. Dann machen die das 2:1 und das 3:1.

Was kann jetzt noch kommen, nach diesem unglaublichen Erlebnis?

In der Saison kann noch einiges passieren: Wir stehen jetzt im Pokalfinale und im Halbfinale des Uefa-Pokals, dazu sind wir Tabellenführer in der Bundesliga. Mal gucken, was noch drin ist.

Ein Getafe-Spieler soll im Vorfeld gesagt haben, Sie sähen aus wie eine Bulldogge.

Ich weiß nicht, wie spanische Bulldoggen aussehen, vielleicht ja so wie ich. Aber das ist eben so, wenn ich nach Spanien komme. Mal sehen, ob ich mich mit Personenschutz aus dem Land bringen lassen muss, weil ich hier schon so viel erlebt habe mit Real Madrid. Hier hat es schon viel böses Blut gegeben. Aber ich möchte das Feuer nicht anheizen, deshalb sage ich jetzt nichts mehr.

Interview: Klaus Bergmann

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