Sport : Oliver Kahn: Tore verhindern - Punkte gewinnen

Teufelskerl, Torwart-Gott, bester Keeper der Welt: Wenn derzeit von Bayern Münchens Torwart Oliver Kahn die Rede ist, sind Superlative an der Tagesordnung. Doch dem 31-Jährigen sind solche Lobhudeleien fast schon zuwider. "Das ist überzogen, damit habe ich Probleme. Es ist auch Glück. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich alles ändern kann", wehrte der momentan überragende Torhüter des Deutschen Fußball-Meisters vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid Komplimente ab.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Dabei war es zuletzt vor allem Kahn zu verdanken, dass der FC Bayern in Madrid überraschend mit 1:0 gewann und durch das 1:0 bei Bayer Leverkusen auch im Zweikampf um die Deutsche Meisterschaft mit Schalke 04 weiterhin gute Perspektiven hat. Für den deutschen Rekordmeister scheint er derzeit unverzichtbar. Das machte auch Trainer Ottmar Hitzfeld unmissverständlich klar: "Für Olli reichen derzeit 100 Millionen Mark nicht aus. Er ist der beste Torwart der Welt." Auch Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge schwärmte: "Oliver Kahn ist unser bester Einkauf der vergangenen 15 Jahre. Er verteidigt nicht Punkte, er gewinnt welche."

Huldigungen, auf die Kahn wenig oder gar nichts gibt. "Das ist nett gemeint, aber es bedeutet mir nichts. Ich denke nur an das Spiel. Wenn ich das alles glauben würde, könnte ich keinen Ball mehr halten." Doch das erledigt der 34-malige Nationalspieler momentan in überzeugender Manier - obwohl nach den jüngsten Strapazen "der Akku leer ist". Für Kahn alles nur eine Frage der Motivation und der Erfahrung: "Ich weiß, dass es am Schluss am wichtigsten wird. Es sind nur noch zwei Wochen, dann ist Urlaub. Da gebe ich noch einmal alles und kitzle die letzten Reserven raus."

Wenn andere unter dem Druck zusammenbrechen, blüht Kahn richtig auf. Deshalb freut er sich auch auf den Saisonendspurt und den Zweikampf mit Schalke: "Uns beflügelt Druck, andere lähmt er. Es geht nur darum, die Nerven im Griff zu haben."

Was dem impulsiven Torwart und Perfektionisten in seiner Karriere auch nicht immer gelang. Als "Kung-Fu-Kahn" flog der Münchner einst dem Ex-Dortmunder Stephane Chapuisat entgegen. Wie ein Blut saugender Vampir deutete er bei Dortmunds Heiko Herrlich einen Biss in den Hals an. Und als Rausschmeißer schubste er seinen ehemaligen Mitspieler Andreas Herzog aus dem eigenen Strafraum.

Während er vor Jahren als Bodybuilding-Fan galt, der das Training manchmal überzog, hat sich der 31-Jährige inzwischen mehr der Psychologie verschrieben. "Ich stand vor der Frage, wie ich ein gewisses hohes Niveau aufrechterhalten könnte. Mir war klar, allein mit körperlicher Arbeit ist das auf Dauer nicht zu bewältigen", erklärte er seinen Sinneswandel.

1994 war Kahn für 3,7 Millionen Mark vom Karlsruher SC zum FC Bayern gekommen - und soll dort "in Rente gehen", wie es Rummenigge wünscht. Doch darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, auch wenn die Tendenz dort zu einer Vertragsverlängerung über 2003 hinaus geht. Ein Wechsel - möglicherweise zu seinem Traumverein Real Madrid - brächte zwar eine neue Situation und neue Motivation, "andererseits habe ich hier das Beste. Also frage ich mich, ob ich das aufgeben kann".

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