Oliver Kreuzer beim Hamburger SV : Gelandet auf dem Planeten Hochmut

Für Oliver Kreuzer ist der Fußball-Bundesligist Hamburger SV kein Klub in der Dauer-Krise. Der neue Sportchef hat große Ziele mit den Norddeutschen - auch ohne viel Geld.

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Mann mit Zielen. Viel Geld für Transfers steht dem Hamburger SV aber nicht zur Verfügung. Foto: Firo
Mann mit Zielen. Viel Geld für Transfers steht dem Hamburger SV aber nicht zur Verfügung.Foto: Firo

Anfang der vergangenen Woche begeisterten Depeche Mode 45 000 Menschen in der Hamburger Arena. Am Tag danach schrieb eine lokale Zeitung, endlich habe mal wieder jemand überragend gespielt im Stadion. An derlei Häme wird sich Oliver Kreuzer gewöhnen müssen. Zwar hat der Hamburger SV immer noch einen harten Kern von 28 500 verkauften Dauerkarten, aber die vergangenen Spielzeiten und die sommerlichen Possen um die Besetzung verantwortlicher Positionen haben den Fußball-Bundesligisten zur beliebten Zielscheibe des Spottes gemacht.

Der 47-jährige Kreuzer tut Scherze über seinen neuen Arbeitgeber mit einem Lächeln ab. Für ihn ist der HSV kein Klub in der Dauer-Krise: „Der HSV steht für mich auf einer Stufe mit Bayern, Dortmund und Schalke.“ Weil der ehemalige Bayern-Profi bei seiner Vorstellung vor zwei Wochen auch betonte, dass „eine Schale oder ein Pott“ sein Ziel seien, fragten sich manche: Weiß Kreuzer eigentlich, wo er da gelandet ist? Da war sie wieder, die ewige Hamburger Überheblichkeit, gespeist aus dem goldenen Jahrzehnt zwischen 1977 und 1987, selbst durch die vergangenen vier Jahre ohne internationale Qualifikation und Beinahe-Abstieg nicht zu erschüttern. Im Bemühen, etwas Angriffslustiges, Ermutigendes zu sagen, hatte sich der neue Sportchef gleich mal verhoben.

Es ist ja schön, dass Hamburg nun nach einigem Gezerre mit dem vormaligen Arbeitgeber Karlsruher SC einen geholt hat, für den der Job in der Hansestadt die vorläufige Krönung der Funktionärs-Vita darstellt. Doch was wird es dem HSV bringen? Inklusive Entschädigung für den nach nur zwei Jahren entlassenen Frank Arnesen hat sich der Klub seinen neuen Sportchef mehr als zwei Millionen Euro kosten lassen – und das in Zeiten des eisernen Sparkurses. Es sollte schnell gehen, der zerstrittene, elfköpfige Aufsichtsrat wollte sich nicht vorwerfen lassen, keine Antwort auf Arnesens Demission zu haben. Geholt haben sie einen, der in Hamburg den wenig schmeichelhaften Beinamen Drittligamanager bekommen hat.

„Man muss unsere wirtschaftliche Lage berücksichtigen. Wir müssen die Spielerzahl reduzieren und die Gehaltskosten auf unter 40 Millionen Euro senken“, sagte Kreuzer. Trotzdem soll der Hamburg SV die kommende Spielzeit auf einem Europa-League-Rang beenden. Den Verkauf Heung Min Sons an Bayer Leverkusen konnte Kreuzer nicht mehr stoppen: zehn Millionen Euro bekommt der HSV für den talentierten Südkoreaner. Bei drei anderen hat Kreuzer gleich den starken Mann gemimt: Marcus Berg, der ehemalige Hertha-Akteur Gojko Kacar und Robert Tesche dürfen nicht mehr bei den Profis trainieren.

Gestern nun hat der HSV den Kameruner Jacques Zoua verpflichtet. Der 21 Jahre alte Stürmer kommt vom Schweizer Meister FC Basel und erhält einen Dreijahresvertrag. Die Ablösesumme soll unter einer Million Euro liegen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Ein spielstarker Innenverteidiger und sogar noch ein weiterer Angreifer sollen kommen. Im Gespräch ist eine Ausleihe von Johan Djourou, Abwehrspieler vom FC Arsenal. Und für den Sturm bleibt Roque Santa Cruz ein Kandidat. Der 31 Jahre alte Paraguayer ist vereinslos und damit ablösefrei. Zuletzt war er von Manchester City an den FC Malaga ausgeliehen.

Vor allem aber muss sich Kreuzer der Neuausrichtung des HSV-Nachwuchses stellen. Hier versuchten sich unter Frank Arnesen in zwei Jahren drei verschiedene Chefs. Immerhin kann er sich der Unterstützung des Trainers Thorsten Fink gewiss sein. Beide kennen sich seit 20 Jahren. Kreuzer war Finks erste Wahl als Sportchef. Sie arbeiteten gemeinsam bei RB Salzburg; später wirkte Fink beim FC Basel, Kreuzer bei Sturm Graz, ehe 2011 der KSC rief. Nun steht Oliver Kreuzer vor seiner ersten Bundesliga-Saison. Wenn man gemein ist, könnte man sagen: Schlechter als seine Vorgänger Arnesen und Bastian Reinhardt wird auch er es nicht machen.

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