Oliver Neuville : Zwei Tore für die Ewigkeit

Oliver Neuville beendet leise seine Karriere, ein Platz in der Fußballgeschichte ist ihm trotzdem sicher.

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Sein wichtigstes Tor. Oliver Neuville schießt Deutschland bei der WM 2006 zum 1:0-Sieg gegen Polen. Foto: dpa
Sein wichtigstes Tor. Oliver Neuville schießt Deutschland bei der WM 2006 zum 1:0-Sieg gegen Polen. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Ein Lieblingssatz von Cesar Luis Menotti geht so: „Pokale wandern in die Vitrine, Siege verschwinden in den Statistiken und werden vergessen. Aber große Spieler und große Spiele bleiben ewig im Gedächtnis der Menschen.“

Nun ist es nicht so, dass Oliver Neuville ein großer Spieler gewesen wäre. Zumindest nicht nach den Maßstäben von Menotti. Der trainierte einst Diego Maradona und führte Argentinien zum ersten Weltmeistertitel seiner Geschichte. Als Kapitän Daniel Passarella 1978 den WM-Pokal in den Abendhimmel von Buenos Aires hob, war Oliver Neuville fünf Jahre alt. Vierundzwanzig Jahre später spielte Neuville in Japan und Südkorea seine erste Weltmeisterschaft. Für Deutschland. Dem Geburtsland seines Vaters. Und Neuville sollte sich seinen Platz im Gedächtnis der Leute sichern.

Es war das Achtelfinale gegen Paraguay, welches Neuville schlagartig berühmt machte. Sechsundachtzig Minuten hatte sich die deutsche Mannschaft mit dem unbequemen Gegner abgemüht. Auch, weil damals so ziemlich jeder Gegner für die Deutschen unbequem war und das Sichabmühen zur Tagesordnung gehörte. Es bedurfte also einer besonderen Aktion, um das Team von Bundestrainer Rudi Völler ins Viertelfinale zu bringen. Als der Ball scharf von rechts in den Strafraum kam, spurtete Neuville los, Dropkick, Deutschland siegt 1:0. „Ich kann immer ein Tor machen“, sagte Neuville hinterher.

Vier Jahre später, bei der WM im eigenen Land, mühte sich Deutschland schon nicht mehr so mit den Gegnern. Nur gegen Polen, im zweiten Gruppenspiel, geriet der Angriffswirbel ins Stocken. Das Spiel war schon fast zu Ende, da kam wieder ein Ball von der rechten Seite in den Strafraum. Neuville spurtete los, Dropkick, Deutschland siegt 1:0. Es sind diese zwei Tore, die ewig in Erinnerung bleiben werden, wenn von Oliver Neuville die Rede ist.

Die Spiele mit der Nationalmannschaft waren für den kleingewachsenen Angreifer immer etwas besonders. Dabei begann Neuvilles Karriere in der Auswahl nicht ohne Probleme. Als er 1998 zum ersten Mal eingeladen wurde, benötigte Neuville noch einen Dolmetscher. Aufgewachsen in Locarno, einer Stadt im italienischsprachigen Teil der Schweiz, fiel ihm die deutsche Sprache zunächst schwer. Neuville erzählte, dass er als Kind keine Lust hatte, mit seinem Vater dessen Sprache zu lernen. Viel lieber spielte er Fußball.

An Neuvilles Sprachproblemen lag es nicht, dass 1995 ein Wechsel zum FC Bayern scheiterte. Die Münchener hatten den Transfer schon verkündet, als Neuvilles damaliger Verein Servette Genf das große Geschäft witterte. Am Ende konnten sich beide Vereine nicht auf eine Ablösesumme einigen.

Zwei Jahre später landete Neuville doch noch in der Bundesliga. Nicht beim FC Bayern, bei Hansa Rostock, wo er unter Trainer Ewald Lienen Nationalspieler wurde. Später wechselte Neuville zu Bayer Leverkusen, anschließend nach Mönchengladbach. Er traf oft, 106 Mal allein in der Bundesliga. Titel blieben Neuville aber verwehrt. Als im Sommer das Karriereende schon beschlossen war, ließ sich Neuville überreden und folgte seinem alten Mitspieler Christian Ziege nach Bielefeld. Dort beendete der 37-Jährige nun seine Karriere, weil er beim Tabellenletzten der Zweiten Liga keinen Stammplatz mehr hatte. Es war ein unwürdiger Abschied. Ganz leise, durch die Hintertür des Profifußballs.

Ärgern muss sich Oliver Neuville trotzdem nicht, sein Platz in der deutschen Fußballgeschichte ist ihm sicher. Und einen misslungenen Abschied haben auch andere hingelegt. Cesar Luis Menotti trainierte zuletzt den mexikanischen Abstiegskandidaten Tecos Guadalajara, ehe er nach zwei Wochen wieder kündigte. Wegen Erfolglosigkeit.

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