Sport : Oliver Neuville

Wie der Gladbacher das Spiel gegen Bayern erlebte

Stefan Hermanns

Es gibt an diesem Nachmittag eine Weltpremiere im Borussia-Park. Kurz vor dem Spiel der Mönchengladbacher gegen Bayern München wird das Video eines neuen Vereinsliedes zum ersten Mal gezeigt. „Du bist nicht allein“, heißt der Titel, und dieses Gefühl einer starken Gemeinschaft spüren kurz darauf auch zehn Mönchengladbacher Spieler: Wir sind nicht allein – Oliver Neuville ist wieder dabei.

Zwei Spiele hat Neuville gefehlt, weil er gegen Kaiserslautern seine Hand zum Torschuss zweckentfremdet hat. In diesen beiden Spielen haben die Gladbacher kein Tor erzielt, sie sind vom zwölften auf einen Abstiegsplatz gepurzelt und in der Folge ihres Trainers verlustig gegangen. Neuville hat die letzten sechs Tore für die Borussen geschossen, acht von insgesamt 13. Das sind beeindruckende Zahlen, doch sie belegen auch die Abhängigkeit der Gladbacher von Neuville.

Gegen die Bayern leitet er die erste Chance des Spiels ein. Nach einer Kopfballabwehr von Marcelo Pletsch läuft Neuville in der eigenen Hälfte los, schüttelt Görlitz ab und spielt den Ball in den Münchner Strafraum. Kluge lässt passieren, Ivo Ulichs Schuss aber geht knapp vorbei. In dieser Szene zeigt Neuville fast alles, was ihn auszeichnet: Er ist schnell, schwer vom Ball zu trennen, und er besitzt eine gute Übersicht.

Von der Defensivarbeit ist Neuville weitgehend entbunden. Bei Ecken der Bayern steht er am Schnittpunkt von Mittel- und Seitenlinie. Dass Neuville ein bisschen schmächtig wirkt und gegen robuste Typen wie Lucio und Robert Kovac körperlich unterlegen erscheint, gleicht er mit List aus. Er geht manchem Zweikampf aus dem Weg. Das ist sein Geheimnis. Kurz bevor der Ball kommt, dreht er sich weg, läuft an seinem Gegenspieler vorbei und hofft, dass der durch diese Absetzbewegung entscheidend irritiert wird. Neuville ist ein Spekulant. So wie in der 35. Minute, als Lucio am Ball vorbeifliegt, Neuville aber an Kovac hängen bleibt.

33-mal ist der Stürmer in diesem Spiel am Ball, das ist nicht viel. Einmal, in der ersten Halbzeit, liegen zwischen zwei Ballkontakten zwölf Minuten. Neuville tritt alle Ecken der Gladbacher, doch bis zu seinem ersten Torschuss dauert es an diesem Nachmittag 78 Minuten. Er überläuft Thomas Linke, schießt aus halbrechter Position, Oliver Kahn aber packt sich den Ball im Nachfassen. Drei Minuten später kommt Neuville fast an derselben Stelle erneut zum Schuss. Diesmal geht der Ball ganz knapp am langen Pfosten vorbei.

Ein Tor, sein neuntes in dieser Saison, erzielt Neuville diesmal nicht. Dafür macht er sich auf andere Weise nützlich. Es steht noch 0:0, als die Gladbacher einen Freistoß bekommen. Neuville schlägt den Ball von der linken Seite mit dem rechten Fuß in den Münchner Strafraum, Kahn geht zwei Schritte vor, bleibt dann stehen, und Marcelo Pletsch wuchtet den Ball mit dem Kopf zum 1:0 ins Tor. In diesem Moment muss sich im Borussia-Park niemand mehr allein fühlen.

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