Sport : Oliver Neuville

Wie der Gladbacher das Spiel Lautern erlebte

Oliver Trust

Oliver Neuville hatte den Kopf gesenkt. Er blickte nicht nach links, nicht nach rechts, er wollte jetzt nicht angesprochen werden. Es waren die Sekunden nach dem Spiel, Mönchengladbach, seine Mannschaft, hatte verloren, auf den Rängen im Stadion auf dem Betzenberg pfiffen ihn die Fans lustvoll und ausdauernd aus, was sollte er jetzt irgendjemandem sagen? Genau in diesem Moment kam Ciriaco Sforza herbeigeeilt und umarmte ihn. Und plötzlich blickte Neuville auf. Sein Oberkörper straffte sich, er atmete erkennbar auf. Denn die Fans hörten jetzt langsam auf zu pfeifen, Sforzas Geste war so etwas wie eine Aufforderung an die Zuschauer: Lasst mal gut sein, der arme Kerl hat genug gelitten. Dass er überhaupt hatte leiden müssen, von der ersten Sekunde an sogar, das hatte sich Neuville allerdings selber zuzuschreiben. Der Stürmer hatte am 17. Oktober 2004 beim 2:1- Sieg von Mönchengladbach ein Tor mit der Hand erzielt. Von diesem Moment an galt er in der Pfalz als „Schuft“. Die Fans warteten auf ihre Rache.

Bei jeder Ballberührung, bei jeder Aktion von Neuville pfiffen die Lauterer Anhänger unter den 40 000 Zuschauer, also fast alle. Sie verhöhnten Neuville, wenn er den Ball verloren hatte. Oder wenn seine Torschüsse kläglich endeten. Oder wenn ihm ein Fehlpass unterlief. Neuville machte viele Fehler an diesem Nachmittag. Eigentlich sollte er ja Vorbild sein als Kapitän seiner Mannschaft. Aber wer irgendwann nach jedem Fehler resigniert die Schultern hängen lässt, der degradiert sich selbst zum Mitläufer. Ein paar Beispiele nur: 38. Minute: Neuville scheitert bei einem Angriff, die Schultern hängen tief. 45. Minute: Neuville scheitert wieder. Der Blick geht zum Boden.

Immerhin, in der 23. Minute ist er mutig. Er läuft zur Eckfahne, er wird gleich einen Eckball treten. Er läuft direkt seinen Gegnern entgegen. Es hagelt Pfiffe und Schimpfworte. „Es war nicht so schlimm. Damit habe ich gerechnet“, sagte er später. Ein Pflichtsatz.

Die zweite Halbzeit, das gleiche Bild. Kaum einen Zweikampf gewonnen, Torschüsse, die keinen erschreckten. 83. Minute: Neuvilles letzter Schuss an diesem Tag. Furchtbar. Nur einmal lächelte Neuville auf dem Spielfeld: als Sforza ihn umarmte.

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