Sport : Olympia 2000: Berliner Leichtathleten wollen über Braunschweig nach Sydney

Ernst Podeswa

Die Olympiamodenschau für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) im Scheinwerferlicht der Kameras durften Nico Motchebon und Heike Henkel noch bestreiten. Nach einer verkorksten Saison, in der 800-m-Läufer Motchebon nach der Sportler-Modekrankheit Pfeiffersches Drüsenfieber nie so richtig auf die Beine kam, hat der Berliner vorzeitig den Wettkampfsommer beendet.

Ob die Hochsprung-Olympiasiegerin von 1992, Heike Henkel, noch in den Jet springen kann, wird sich bei den Deutschen Meisterschaften heute und morgen in Braunschweig zeigen. Die 36-Jährige müsste aber gewaltig zulegen, denn mit bisher gemeisterten 1,90 m hat sie die zwei Mal zu schaffende DLV-Olympiavorgabe von 1,94 m klar verfehlt. Ob die Verdienste der Leverkusenerin und die vorhandene Maßkleidung den DLV zu einem Gnadenakt veranlassen, ist zweifelhaft. Zudem klagt sie immer noch über Rückenprobleme.

Die Nominierungskriterien erfüllt hat hingegen die 13 Jahre jüngere Amewu Mensah. Die Athletin vom OSC gehört zu sechs weiteren Kandidaten aus dem rund 100-köpfigen Berliner Aufgebot, die den DLV-Richtwerten entsprechende Leistungen für Olympia geboten haben und zugleich erste Titelanwärter sind. Wie im Gehen Andreas Erm und Beate Gummelt, Weitspringer Kofi Amoa Prah (alle LAC Halensee), Speerwerferin Tanja Damaske (OSC) und 3000-m-Hindernisläufer Damian Kallabis (SC Charlottenburg). Die Norm erfüllt hat auch 5000-m-Läufer Jirka Arndt (SCC), doch gegen Dieter Baumann wäre sein Meisterschaftserfolg so etwas wie eine Sensation. Hürdensprinter Mike Fenner (LG Nike Berlin) hat die Norm, doch müsste er unter die ersten drei laufen, um einen der Konkurrenten (Schwarthoff oder Leberer) aus dem Olympiateam zu drängen. Kugelstoßer Detlef Bock (SCC) fehlt der zweite Leistungsnachweis per Norm; er sollte jedoch gleichfalls auf dem Podest stehen. Ähnlich ist die Situation bei den Speerwerfern mit dem jungen Manuel Nau (VfV Spandau): Ein Mal die Norm geworfen, nun aber auf Rang fünf zurückgefallen. Nur mit einer Weite jenseits 82,50 m und mindestens Rang drei käme er auf die DLV-Vorschlagsliste für das NOK.

Fast nicht mehr zu schaffen ist das für Dreispringerin Nicole Herschmann (OSC). Mit 13,80 m hat sie sich gegenüber dem Vorjahr gesteigert und war beim Europacup dabei. Doch zur Norm fehlen 40 Zentimeter. Ein Ziel für die Zukunft, möglicherweise für 2004 in Athen. Darauf muss auch der zweitschnellste 100-m-Sprinter im DLV-Bereich, Ronny Ostwald (SC Berlin), schauen. Wegen einer nicht auskurierten Oberschenkelzerrung kann der 10,30-Sekunden-Mann seine Chancen in Braunschweig nicht wahrnehmen.

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