Sport : Olympia 2000: Birgit Fischer trägt die Fahne

Endlich wieder eine Frau, erstmals seit 36 Jahren: Die Kanutin Birgit Fischer wird bei der Eröffnung der XXVII. Olympischen Spiele in Sydney die Fahne der gesamtdeutschen Mannschaft tragen. Die 38-Jährige hat diese Ehre verdient: Bei ihren bisherigen vier Olympia-Teilnahmen gewann sie fünf Goldmedaillen; außerdem ist sie 27-malige Weltmeisterin. In Sydney gilt sie im Kajak-Zweier und im Kajak-Vierer erneut als große Favoritin. Mit zwei weiteren Goldmedaillen wäre sie die erfolgreichste deutsche Sportlerin aller Zeiten.

"Ich betrachte diese Entscheidung nicht nur als große Anerkennung für mich, sondern schlechthin für alle Frauen", sagte Birgit Fischer, als sie von ihrer Nominierung erfuhr. "Es bedeutet mir sehr viel, weil ich in diesem Deutschland meinen Platz gefunden habe. Wobei ich allerdings auch viele Menschen verstehen kann, die nach der Wende bitter enttäuscht worden sind", fügte die in Brandenburg geborene Wahl-Berlinerin hinzu.

Als letzte Frau hatte 1964 die Dresdner Wasserspringerin Ingrid Engel-Krämer eine gesamtdeutsche Mannschaft beim olympischen Einmarsch angeführt. Damals waren auf der schwarz-rot-goldenen Flagge noch die olympischen Ringe zu sehen, als Kennzeichen des gemeinsamen Teams aus Ost und West. Nur zwei Sportlerinnen durften die DDR-Flagge bei Sommerspielen in olympische Stadien tragen: 1968 die Leichtathletin Karin Balzer, Mutter des umstrittenen Hürden-Stars Falk Balzer, und 1980 die Handballspielerin Kristina Richter. Birgit Fischer ist seit der Wiedervereinigung zugleich die erste Athletin aus den neuen Bundesländern, die die Fahne trägt.

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