Sport : Olympia 2000: Der Berliner Sport verabschiedet seine Olympioniken

Ernst Podeswa

"Sydney ruft - Berlin sagt Goodbye" war das Motto des Abends. Der fand am Mittwoch in der Filiale der Dresdner Bank am Brandenburger Tor statt. "Es hat mir gut gefallen - abgesehen vom etwas langatmigen Hauptprogramm." Monique Garbrecht-Enfeldt war nach einem hartem Trainingstag auf Inlineskates ein wenig genervt. Der Sender Freies Berlin (SFB) hatte am Programm mitgebastelt, bei dem nebenstehende Damen tragende Rollen spielten. So geriet die Verabschiedung der Berliner Olympiateilnehmer 30 Tage vor Eröffnung der Spiele durchaus gediegen, zuversichtlich, aber auch etwas zäh.

Die Berliner Eisschnelläuferin, mit drei Weltmeistertiteln, zwei Weltcup-Gesamterfolgen und Weltrekorden Deutschlands erfolgreichste Sportlerin der letzten zwölf Monate, war nur Gast und musste nicht auch noch mitunter hölzerne Interviewfragen über sich ergehen lassen. Ganz im Gegensatz zur erfolgreichsten deutschen Sportlerin aller Zeiten, der Kanutin Birgit Fischer. Die 27-fache Weltmeisterin und bisher fünffache Olympiasiegerin wies die wenig galante Bezeichnung als "Kanu-Oma" ebenso souverän zurück wie die Parallele mit dem gleichaltrigen Fußball-Auslaufmodell Lothar Matthäus (38): "Nein, bitte nicht diesen Vergleich." Wie sie ihre Karriere, die schon 1980 mit dem Gewinn von Olympiagold begann, erklären könne? - "Viel Training, Spaß am Sport und ehrgeizige junge Sportlerinnen mit im Boot." Die Potsdamerin startet für Mannheim, wohnt aber seit zwei Jahren in Berlin und wird im hiesigen OSP "bestens betreut". In Sydney trägt sie zusammen mit Jüngeren im Zweier und Vierer Medaillenhoffnungen für die derzeit 432-köpfige deutsche Olympiamannschaft.

Dass davon 59 (14 Prozent) aus Berlin kommen, hat auch Armin Baumert mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Der Leitende DSB-Sportdirektor wertet dies - dazu kommen 22 Teilnehmer der Paralympics im Oktober - als Beleg für die gelungene Ost-West-Zusammenführung der sportlichen Ressourcen nach dem Mauerfall. Und der einstige 8-m-Springer würdigte die Zusammenarbeit zwischen dem Ostberliner Trainer Klaus Beer und dem in Ghana gebürtigen deutschen Weitsprungmeister Kofi Amoah Prah als "beispielgebend". Baumerts Nachfolger als OSP-Leiter, Jochen Zinner, sah seine Prognosen "50 plus x" mit dem Nominierungsstand bestätigt. Als 60. Teilnehmerin könnte die Gymnastin Jeanine Fissler am Dienstag vom NOK für Olympia benannt werden. Als Beweis für die Leistungsfähigkeiten der jetzigen Strukturen sieht LSB-Vizepräsident Dietrich Gerber den Sachverhalt, dass 60 Prozent erstmals bei Olympia starten. Die Kassandrarufe, ohne die Spätfrüchte des DDR-Sports würde alles den Bach runter gehen, seien widerlegt.

Während die olympische Vorfreude bei Monique Garbrecht-Enfeldt Zeit bis zu den Winterspielen 2002 in Salt Lake City hat, muss 1000-m-Zeitfahrer Sören Lausberg (SC Berlin) bereits am ersten Wettkampftag (16. September) in Sydney auf die Piste. Nach einem Unfall und durchtrennter Achillessehne im März hat er dank eisernen Willens, ärztlicher Kunst und mit der Hilfe seines Trainers "Emu" Raasch noch den Sprung ins Team geschafft. "Wenn alles gut geht, ist von Platz zwei bis vier alles drin", sagte Trainer Raasch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben