Sport : Olympia 2000: Doping vom Tage

Drei positive Gewichtheber

Die Gewichtheber haben unmittelbar vor Beginn der olympischen Wettkämpfe in Sydney mit drei Dopingsündern einen traurigen Rekord aufgestellt. In der A-Probe des Norwegers Stian Grimseth vom 2. September wurde das muskelaufbauende Mittel Nandrolon gefunden, bei Kontrollen zweier Rumänen am gleichen Tag wurden bislang nicht näher bezeichnete, verbotene Substanzen nachgewiesen. Das Nationale Olympische Komitee für Rumänien (COR) verbannte Traian Ciharean (65-kg-Klasse) und Adrian Mateias (105 kg) für Lebenszeit aus dem Olympia-Team und schickte sie umgehend nach Hause. Ciharean hatte in Barcelona 1992 Bronze gewonnen.

Bagatsch wohl nur Zuschauer

Ein Start des ukrainischen Kugelstoßers Aleksandr Bagatsch bei den Olympischen Spielen in Sydney scheint nach dem dritten positiven Dopingtest seiner Laufbahn unwahrscheinlich zu sein. Am kommenden Dienstag wird der Fall des Bronzemedaillen-Gewinners von Atlanta 1996 vor dem Arbitration Panel des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) verhandelt. Im Urin des 33-Jährigen waren im Frühjahr große Spuren eines anabolen Steroids entdeckt worden.

Fall Baumann als "Lachnummer"

Franziska van Almsick hat sich über die aus ihrer Sicht mangelnde Dopingbekämpfung beklagt. "Ich habe den Eindruck, dass nicht alle hundertprozentig wollen, dass etwas getan wird", sagte die Schwimmerin dem "Handelsblatt". Den Dopingfall des Leichtathleten Dieter Baumann bezeichnete sie als "Lachnummer".

Prinzessin gibt Hoffnung auf

Prinzessin Anne, Mitglied der britischen Königsfamilie und des Internationalen Olympischen Komitees, hat die Hoffnung auf dopingfreien Sport aufgegeben. In einer Fernsehsendung sagte die Olympiateilnehmerin von 1976: "Wir werden dieses Problem niemals endgültig lösen. Es wird immer etwas Neues geben, mit dem Athleten ihre Leistungen auf verbotene Art und Weise verbessern können." Gleichzeitig brach die frühere Military-Reiterin eine Lanze für die Athleten. "In der aktuellen Diskussion um Dopingmittel dürfen wir nicht vergessen, dass es Substanzen gibt, die der menschliche Körper auf natürlicher Basis herstellt." Es sei daher ungemein schwierig, Grenzwerte festzulegen, die eindeutig belegen könnten, dass ein Athlet mit Substanzen nachgeholfen hätte.

Sportausschuss in Sydney

Eine Delegation des Sportausschusses des Bundestages wird vom 17. bis 24. September Sydney besuchen und auch politische und sportpolitische Gespräche führen. Unter anderem treffen die vier Parlamentarier mit Vertretern der australischen Anti-Doping-Agentur zusammen, um neue Erkenntnisse auch für die nationale Dopingbekämpfung zu gewinnen, teilte der Bundestag gestern in Berlin mit. Der Delegation unter Leitung von Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) gehören die SPD-Politiker Peter Danckert und Wieland Sorge sowie Walter Link von der CDU/CSU an.

Ohne Doping keine Medaille

Der deutsche Schwimmtrainer Michael Lohberg hat in Sydney mit der Aussage, ohne Doping seien im heutigen Sport keine olympischen Medaillen zu gewinnen, Aufsehen erregt. "Der Athlet ist entweder sauber oder er kämpft um Gold, beides ist nicht vereinbar", sagte Lohberg nach einem Bericht der brasilianischen Zeitung "Jornal do Brasil". Lohberg habe damit in der brasilianischen Delegation eine große Polemik ausgelöst, schrieb das Blatt. Der Deutsche, der unter anderem den brasilianischen Weltklasse- Schwimmer Fernando Scherer sowie dessen Landsleute Rogerio Romero und Fabiola Molina betreut, meinte, "nur ein völliger Idiot" könne beim Dopingtest der Einnahme einer unerlaubten Substanz überführt werden. Die Dopingtests seien nutzlos und nur ein Alibi für das Internationale Olympische Komitee (IOC).

0 Kommentare

Neuester Kommentar