Sport : Olympia 2000: Erstmals sind Frauen in allen Team-Sportarten zugelassen

Sie sind zahlreich wie nie, sie stürmen die letzten männlichen Bastionen - doch wirklich mächtig sind sie immer noch nicht. Die olympische Frauenbewegung hat im Jahr 2000 neue Rekorde erreicht. Erstmals sind Frauen in allen Team-Sportarten zugelassen, nur Ringen und Boxen bleiben eine Männerdomäne. In Sydney sind etwa 4400 der rund 10 500 Athleten weiblich.

Beim Blick zurück muten diese Zahlen phantastisch an. Die ersten Spiele 1896 in Athen waren reine Männersache. 1900 feierten 19 Frauen in den Disziplinen Golf und Tennis olympische Premiere. Sportlerinnen galten zu Beginn des 20. Jahrhunderts als nicht anständig, ihre Kleidung als unangemessen. Die Schwimmerin Annette Keller wurde 1908 verhaftet, weil ihr Einteiler nicht die Waden bedeckte.

Doch auch im Jahr 2000 ist Sport für Frauen keine Selbstverständlichkeit. 15 der 199 Teilnehmerländer werden keine Frau nach Sydney entsenden. In der iranischen Olympia-Mannschaft befindet sich erstmals ein weibliches Mitglied, die Pistolen-Schützin Manieh Kazemi. Aber TV-Bilder von weiblichen Athleten gibt es im Iran wegen der strengen Kleidervorschriften nicht. Die ehemalige Leichtathletik-Weltmeisterin Hassiba Boulmerka hat noch vor wenigen Jahren in ihrer algerischen Heimat Morddrohungen erhalten, weil sie unverschleiert Langstreckenläufe bestritt.

Seit 1999 ist Boulmerka Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Sie und ihre Kolleginnen haben im mächtigsten Sportgremium der Welt jedoch Seltenheitswert. Von 113 Mitgliedern sind 13 weiblich. Präsident Samaranch öffnete das IOC1981 für Frauen. "Bei den Spielen in Sydney werden rund 40 Prozent der Teilnehmer Frauen sein. Jetzt müssen wir den Frauenanteil in der Sportorganisation erhöhen", sagte er. Allzu ernst scheint es den Funktionären aber nicht zu sein. Für eine eventuelle IOC-Erweiterung um 14 Mitglieder wurden 46 Personen vorgeschlagen. Darunter war keine Frau.

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