Sport : Olympia 2000: Im fünften Ring: Motten im olympischen Licht

Helmut Schümann

Wir haben ja jetzt schon viel über die Tierwelt hier unten im fünften Ring gelernt. Da war das streberhafte Känguru, das boxend sich in die Herzen der Olympiabesucher hüpfen wollte, das Ziel aber weit verfehlte und in seiner kaninchenhaften Verbreitung nur die Nerven höchst strapazierend traf. Da waren die Vögel der Fairfield City Farm, die nach Ende der Dreharbeiten von Alfred Hitchcock nach Australien übersiedelten. Dort genossen sie einen geruhsamen Lebensabend. Bis dann die Mountainbiker kamen und sie zu einem Remake des Films sowie einem Angriff auf die Fahrer animierten. Nicht zu vergessen unser Freund, der breitärschige (er wird nun mal so gerufen) Nacktnasenwombat, dieses Tier mit Charakter und Seele, das gestern wieder so wahnsinnig nachtaktiv war und seit neuestem als 30 Kilogramm schwere Schokoladen-Skulptur am Circular Quai steht. Der Wombat hat die Augen nach oben gedreht, und es ist klar, warum: Mit Schokolade ist unser Nachtschwärmer nicht gerade zu begeistern.

Heute wenden wir uns der Motte zu. Die Motte bevölkert (sagt man bei Motten bevölkert?) des Abends, wenn die Lichter angehen, den Olympic Park. An sich nichts Außergewöhnliches, dass es Motten zum Lichte treibt. Es scheint nur so zu sein, dass alle Motten Australiens, und das sind verdammt viele, zu Olympia gekommen sind.

Ganze Schwärme sind zum Beispiel aus Perth angereist, vom anderen Ende des Kontinents, also ziemlich weit weg von Sydney, möglicherweise gab es da Pauschalangebote. Auf jeden Fall sind sie jetzt alle da. Zunächst schwirren sie um die Flutlichtmasten herum, und es kann schon einmal vorkommen, dass man vor lauter Motten den Mast nicht mehr sieht. Dann ziehen sie weiter, tiefer, besetzen Straßenlaternen, bleiben aber auch dort nicht lange, sondern umflirren, wenn sie sich denn endlich aufgewärmt haben, auch noch die Menschen.

Die Motten machen dabei keinen Unterschied zwischen Athleten und Nicht-Athleten. Und wenn man sie schlägt, dann kommt grün raus. Also schlägt man sie nicht. Die örtlichen Zeitungen haben sie auch schon besetzt, indem sie jeden Tag in den Schlagzeilen auftauchen. Sie ist also enorm emsig, ja, streberhaft geradezu. Weswegen wir eine hinterhältige Komplizenschaft mit dem Känguru vermuten. Das Känguru und die Beutelmotte also.

Findet sich denn kein natürlicher Feind der Beutelmotte? Vielleicht so eine nachtaktive, breitärschige Nachtnasenfliege? Wir werden sehen.

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