Sport : Olympia 2000: Sommerspiele im Winter?

Knapp einen Monat vor den sogenannten Olympischen Sommerspielen ist in den Bergen um Sydney der Winter ausgebrochen. Die höchsten Gipfel der unmittelbar an die Vororte der Olympiastadt anschließenden Blue Mountains waren am Mittwochmorgen mit Schnee bedeckt. Ein paar Kilometer weiter landeinwärts bei Lithgow legte der Neuschnee den Verkehr lahm und verursachte mehrere Verkehrsunfälle. Das schnell weggeschmolzene Weiß schürte die selbst von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch geäußerten Befürchtungen, dass das "kalte und feuchte" Wetter das "größte Problem" bei den Spielen werden könnte. Nach Melbourne 1956 sind die diesmal zeitlich noch über zwei Monate früher liegenden Olympischen Spiele von Sydney erst die zweiten im Frühling.

"Es hat so ab etwa 900 Meter Höhe geschneit. Die Nachttemperaturen in Sydney lagen bei durchschnittlich acht Grad, was bedeutet, dass sie an einigen Stellen noch darunter lagen", sagte Olympia-Assistenzmanager Julie Evans vom "Bureau of Metereology". Dass es in den Bergen rund um Sydney im Winter Schnee geben würde, sei durchaus normal. In der Olympiastadt selbst wurde in 120 Jahren Wetterbeobachtung noch nie die von den Metereologen erfundene "Schneeflagge" gehisst, allerdings kann es auch im September zur Zeit der Spiele empfindlich kalt werden, wie die niedrigste gemessene Temperatur von 4,9 Grad beweist.

"Es kann passieren, dass man sich besonders abends sehr warm anziehen muss - obwohl schon ab 1. September offiziell Frühling ist", warnt Evans. Ein guter Hinweis für die 5000 Touristen und über 400 Sportler aus Deutschland, die warme Pullover und Handschuhe in die Reisetaschen packen sollten. Viele der aus aller Welt anreisenden Zuschauer werden in den Blue Mountains übernachten, wo es in den letzten Jahren auch im September viermal geschneit hat. Das olympische Regattazentrum in Penrith, wo die Ruder- und Kanu-Wettbewerbe stattfinden, liegt direkt am Fuße der über 1000 Meter hohen Berge. Auch der Olympic Park mit der Mehrzahl der Wettkampfstätten ist nur etwa 40 km von den potenziellen "White Mountains" entfernt.

Den australischen Leichtathleten drohen bei ihren Trials von Donnerstag bis Sonnabend aufgrund der Tiefdruckwetterlage Tagestemperaturen nicht über 15 Grad, ein kräftig-kühler Wind und Regen. Ähnliches Wetter hat ein Metereologen-Büro in Melbourne für die olympische Eröffnungsfeier am 15. September vorausgesagt, die nach Meinung der Langzeit-Voraussager von Dauerregen begleitet sein wird.

Evans hält deratige Langzeit-Vorhersagen für "unmöglich" und wird gemeinsam mit ihren 20 Olympia-Kollegen erst vier Tage vor der Entzündung des Olympischen Feuers eine erste Prognose erstellen: "Generell haben wir aber keinerlei Indikatoren, dass es in der Olympiazeit extrem wird - das Wetter sollte eher durchschnittlich wie sonst im September werden." Das würde eine Durchschnittstemperatur von 18,2 Grad bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und eisige 16 Grad im Wasser (zum Beispiel für die Triathleten) bedeuten.

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