Sport : Olympia 2008: "Ein falsches Signal"

Die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking polarisiert die Öffentlichkeit in der ganzen Welt. Während die Regierung der USA auf Demokratisierung und eine stärkere Beachtung der Menschenrechtsfrage in China hofft, kommentierten Gegner die Entscheidung äußerst hart. "Der Präsident hat ganz klar gemacht, dass die Frage der Menschenrechte auf dem Programm der bilateralen Beziehungen zu China steht", kommentierte Condoleezza Rice als Beraterin von Präsident George W. Bush die Entscheidung. Sie versprach, die Menschenrechts-Frage immer wieder aufzuwerfen.

Nach Auffassung des französischen Präsidenten Jacques Chirac könnten die Spiele in Peking ein Anreiz dafür sein, Menschenrechte und Demokratisierung in China voranzubringen. "Die Chinesen haben nicht das gleiche Verständnis der Menschenrechte wie wir". Chirac hatte in seiner offiziellen Erklärung zur Wahl Pekings am Freitagabend China und Peking mit keinem Wort erwähnt, stattdessen aber seine große Betrübnis geäußert, dass Paris nicht gewählt worden sei.

"Das ist eine Gelegenheit für China, sich als modernes Land zu präsentieren", sagte Ari Fleischer, Sprecher des Weißen Hauses, in den USA. Sein Land wolle aus den Spielen kein politisches Ereignis machen. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Richard Boucher, sagte, er hoffe, dass "China die Chance schnell ergreifen wird, sich als modernes und entwickeltes Land zu zeigen, das Menschenrechte achtet."

Gegner der Vergabe der Sommerspiele an Peking beklagten, dass China für die Menschenrechtsverletzungen geradezu belohnt worden sei. "Wir haben China gerade ein absolut falsches Signal gesendet und das ist, dass die zivilisierten Nationen nicht wirklich gegen die Menschenrechts-Missbräuche und Militarismus vorgehen", sagte die Republikanerin Dana Rohrabacher, Mitglied im Ausschuss für internationale Beziehung.

Ihr Parteikollege Christopher Smith meinte, die Entscheidung "schickt eine gefährliche Meldung an die kommunistischen Führung, die ihre aggressiven Verletzungen der Menschenrechte, die Verfolgung der Gläubigen und Schikanierung amerikanischer Bürger ohne irgendwelche Konsequenzen fortsetzen können." Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und China sind derzeit in China durch die Inhaftierung von fünf Amerikanern überschattet, denen Spionage vorgeworfen wird.

Wie in Deutschland macht man sich in den USA durch den Zuschlag an ein Land in Asien Hoffnungen auf die Sommerspiele 2012, fürchtet jedoch die Konkurrenz durch das diesmal geschlagene Toronto, Kanada. "Toronto wird eine starker Kandidat für 2012, wodurch es zu einem lebhaften Rennen zwischen Kanada und den USA kommt", schreiben die "Dallas Morning News". Eine Rekordzahl von acht US-Städten will sich für 2012 bewerben.

In Peking hingegen feierte man in einer ausgelassenen Festivalatmosphäre in der Nacht zum Samstag den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2008. Staats- und Parteichef Jiang Zemin dankte in einer Botschaft an den scheidenden Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Juan Antonio Samaranch, dem IOC für das Vertrauen und die Unterstützung. China werde alles tun, um die Spiele erfolgreich zu machen. Das Parteiorgan "Volkszeitung" schrieb gestern, dass endlich "ein lang ersehnter Traum des chinesischen Volkes wahr geworden ist".

Bürgerrechtler mahnten eine Verbesserung der Menschenrechtslage in China an. In einem offenen Brief, den das Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte aus Hongkong verbreitete, forderte der Dissident Wang Hongxue die Freilassung aller politischer Gefangener. Allen voran die Gründer der verbotenen Demokratischen Partei, Xu Wenli, Qin Yongmin und Wang Youcai, die hohe Haftstrafen absitzen. "Jetzt hat China sein Ziel erreicht und sollte sein Bestes tun, um die Menschenrechte zu verbessern", meinte Wang Hongxue.

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