Olympia 2008 : Parade des Protests

Friedhard Teuffel erklärt, wie sich der olympische Fackellauf verändert.

Friedhard Teuffel

Von allen olympischen Symbolen ist der Fackellauf das sportlichste. Wenn die Flamme um die Welt läuft, begleiten sie Tausende von Menschen. Den Chinesen ist das jedoch nicht genug. Sie wollen mehr mit der olympischen Fackel ausdrücken und sie hinauf schicken bis zum Mount Everest. Sie möchten damit zeigen, dass dieser höchste Punkt der Welt ihnen gehört. Doch wer soll sie dahin begleiten?

Das Feuer, das in der chinesischen Parteiführung brennt, ist nicht das olympische, sondern das des Nationalismus. Der längste und beste Fackellauf ist ihnen gerade gut genug. Die Chinesen haben sich den Fackellauf als Propaganda- Parade ausgedacht. Doch er wird eine Parade des Protests. In jeder Stadt müssen die Chinesen nun damit rechnen, dass die Flamme auch Demonstranten anzieht. Allein für den Sonntag kündigt ein Netzwerk von Exil-Tibetern an, die Flamme in London mit 20 000 Menschen kritisch zu begrüßen. Die Chinesen haben daher aufgerufen, die Flamme vor Protestaktionen zu schützen. Polizeistaaten der Welt, vereinigt Euch!

Die Flamme hat eine neue Bedeutung bekommen. Überall wo sie hinkommt, bietet sie eine Bühne für politische Äußerungen. Auch das Internationale Olympische Komitee sollte mit diesem Feuer spielen: Falls die Chinesen weiter Gewalt ausüben, gegen Tibeter und gegen ihre eigene Bevölkerung, könnte das IOC die Flamme einfach löschen, schon beim Fackellauf oder später im Pekinger Stadion. Olympische Spiele ja, aber eben dunkler als sonst.

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