Olympia 2012 : Britta Steffen hat die Olympia-Hoffnungen enttäuscht

Sie ist im Halbfinale über 100 Meter Freistil glanzlos gescheitert – und dann sagt sie: „Hallo zusammen.“ Ist Britta Steffen vielleicht etwas zu entspannt?

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Die Verwandelte. Bei der WM 2011 in Shanghai verließ Britta Steffen aus Frust über Niederlagen das Turnier vorzeitig, bei Olympia 2012 kommentiert sie ihr schlechtes Abschneiden lächelnd.
Die Verwandelte. Bei der WM 2011 in Shanghai verließ Britta Steffen aus Frust über Niederlagen das Turnier vorzeitig, bei Olympia...Foto: dpa

Britta Steffen kommt in Trippelschrittchen. Die langen Haare sind nass, der Schwimmanzug klebt auf der Haut, als wäre er angeschweißt. Sie geht an einer Betonwand entlang, die milchig-weiß angepinselt ist. Dahinter liegt der Pool des olympischen Aquatic Centers; nach den Rennen gehen die Schwimmer hinter einer hüfthohen Barriere entlang der Wand zu ihren Kabinen. Nur Britta Steffen steuert erstmal die Gruppe von Journalisten an, die auf sie warten.

Fünf Minuten zuvor ist sie im Halbfinale über 100 Meter Freistil glanzlos gescheitert, damit hatte sie den Endlauf über jene Strecke verpasst, auf der sie 2008 Olympiasiegerin geworden war. Und auf der sie eine Medaille wollte.

Jetzt steht sie da, lächelt entspannt und sagt: „Hallo zusammen.“ Hallo zusammen? Nach so einem Rennen? Ist alles noch in Ordnung?

„Ich bin zufrieden, weil ich alles rausgeholt habe, was möglich war. Ich habe gekämpft wie eine Wildsau“, sagt sie. Und: „Das ist jetzt kein Weltuntergang.“ Sie sagt das nicht verkniffen, sie presst das nicht hervor. Sie sagt das im Plauderton, locker dahin. Und wenn nicht hinter ihr das wasserblaue Emblem „London 2012“ an der Wand prangen würde, man könnte glatt auf den Gedanken kommen, Britta Steffen spreche über irgendwelche Nebensächlichkeiten und würde jetzt lieber noch ein bisschen shoppen gehen.

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Die Karriere von Britta Steffen
Das glaube ich jetzt nicht. Nach einer fast zweijährigen Wettkampfpause trumpfte Britta Steffen bei den Europameisterschaften 2006 in Budapest völlig überraschend groß auf.Weitere Bilder anzeigen
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14.09.2011 12:18Das glaube ich jetzt nicht. Nach einer fast zweijährigen Wettkampfpause trumpfte Britta Steffen bei den Europameisterschaften 2006...

Derart überzogen ist ihre Ungerührtheit, dass der Gedanke auf der Hand liegt: Das ist doch Show!

Nur: Es ist eben nicht bloß Show. Ein Teil von Britta Steffens Auftritt nach dem Rennen entspricht auch der Einschätzung von ihrem langjährigen Trainer Norbert Warnatzsch. „Britta“, sagt er, „ist entspannter geworden.“

In einem nüchternen Konferenzraum konnte man die Veränderungen der Britta Steffen auch schon im Juli registrieren. Der Raum gehört zum Olympiastützpunkt Hamburg-Schleswig-Holstein. Auf dem Trainingsplan stehen die letzten Olympia-Vorbereitungen der deutschen Schwimmer. Am nächsten Tag ist der Abflug nach London.

Im ersten Stock, in jenem Konferenzraum, ist ein Podium aufgebaut. Der Deutsche Schwimmverband hat Journalisten eingeladen, sie können die Athleten vor Olympia noch mal in Ruhe befragen.

Vier Sportler sitzen da, darunter Paul Biedermann, Steffens Freund. Steffen sitzt in der Mitte, das rechte Bein lässig übers linke Knie gelegt. Die blonden Haare fallen über ihr rotes T-Shirt. Sie lächelt ein bisschen gönnerhaft, aber das fällt noch nicht besonders auf. Doch dann zieht sie ihre Hand wie einen Scheibenwischer, der auf langsamste Stufe gestellt ist, durch die Luft. Seid willkommen, soll das heißen. Sie hat etwas Huldvolles, diese Geste. Wie Queen Elizabeth II., wenn sie ihren Untergebenen hoheitsvoll zuwinkt. Das wirkt etwas albern, aber für Steffens Verhältnisse ist das ein Zeichen von Ungezwungenheit. Nur passt das gar nicht zu ihr. So hat sie sich noch nie gegeben.

Da kommt bei vielen Beobachtern im Raum erstmals der Gedanke auf, dass irgendetwas mit Britta Steffen passiert ist.

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