Olympia 2012 : London freut sich schon - trotz Bildausfalls am Buckingham Palace

Perfekt wird es wohl nicht werden in London. Soll es auch nicht. Dass die Spiele 2012 einen anderen Charakter haben werden als die Spiele in Peking, war vorm Buckingham Palace, wo die britische Hauptstadt die Übergabe der Spiele feierte, sofort zu spüren.

Christian Tretbar[London]
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Kontrastprogramm. London 2008.Foto: AFP

Leider am meisten in jenem Moment, als Jimmy Page bei der offiziellen Präsentation Londons in Peking seine Gitarrensaiten mit „Whole Lotta Love" strapazierte. Da fiel auf allen Leinwänden in London das Bild aus. 40000 Zuschauer vor dem Palast hörten zwar, wie sich ihre Stadt in Peking präsentierte, sahen es aber nicht.

Doch außer ein paar Pfiffe geduldeten sich alle, bis das Bild wieder da war. Britisch cool, ohne große Aufregung nahmen sie die Panne hin. „Es werden großartige Spiele, aber eben anders", sagte Ann Cable in ihrer schwarzen Uniform mit der kleinen Feder am Hut vor dem Buckingham Palast. Sie ist von der St. Johns Ambulance, einer Schwesternvereinigung der Johanniter. Erst vor ein paar Tagen kam sie aus Peking und war beeindruckt. „Unsere Spiele werden sicher nicht so spektakulär, aber persönlicher, näher an dem Menschen in der Stadt und in den Gemeinden in ganz Großbritannien", sagte sie.

Persönlicher, herzlicher, humorvoller

Und das ist die Erwartung, die das ganze Königreich und wohl auch der Rest der Welt an die nächsten Spiele haben. Vielleicht nicht ganz so perfekt, aber persönlicher, herzlicher und humorvoller sollen sie sein. Vor allem aber auch weniger kostspielig. Während Peking für die Spiele über 25 Milliarden Euro ausgegeben hat, ist das Budget für London auf 11,6 Milliarden Euro veranschlagt. „Und wir werden keinen Penny mehr ausgeben", sagt Bürgermeister Boris Johnson.

Wirklich glauben mag das zwar in Großbritannien keiner, aber Bombast und Gigantomie wird man von London nicht erwarten dürfen. „Trotzdem wird es ein Spektakel werden, das Sport, Musik und Kultur in den Mittelpunkt stellt", sagte Premierminister Gordon Brown. Für die Eröffnungsfeiern erwarten viele im Vereinigten Königreich ein großes Rockkonzert. Ein Auftritt der Rolling Stones wird nicht ausgeschlossen. „Es wird aber auch ein Fest des Sports und der Menschen", sagte Gordon Brown.

Und er kann es ruhigen Gewissens sagen, denn das Abschneiden der britischen Athleten hat nicht nur die Erwartungen auf der Insel übertroffen, sondern auch die Erwartungen für die Heim-Spiele erhöht. Großbritannien peilt natürlich die Spitze des Medaillenspiegels an, wenngleich sie wissen, dass es schwer wird gegen China und die USA. Aber die Kommentatoren in den britischen Zeitungen wollen das Team GB zumindest an der europäischen Spitze sehen, vor Russland und vor Deutschland sowieso.

1996 nur einmal Gold

Der eingeschlagene Weg verspricht, erfolgreich zu sein. Gewann Großbritannien 1996 in Atlanta noch eine einzige Goldmedaille, so sind es in Peking bereits 19. Insgesamt holten die britischen Sportler 47 Medaillen, was das beste Ergebnis seit hundert Jahren ist. Ein historischer Erfolg, der nicht nur Schweiß und Arbeit gekostet hat, sondern auch Geld.

Allein aus dem Staatshaushalt und von Lotterieeinnahmen fließen seit 2006 bis 2012 701 Millionen Euro und in die Sportförderung. Im vergangenen Jahr waren es 145 Millionen Euro – eine Steigerung von 230 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Ausgaben, die sich schon in Peking vergoldet haben. Im Bahnradfahren hat Großbritannien sieben Medaillen gewonnen, womit sich die 27,5 Millionen Euro, die seit zwei Jahren in diesen Sport gesteckt worden sind rentiert haben.

Doch Kritiker warnen davor, alles Geld in den Leistungssport zu investieren. Denn gerade im Breitensport steigt die Nachfrage mit den Erfolgen und vor den Olympischen Spielen. Aber immer mehr Schwimmbäder und Sportplätze müssen schließen. In ganz England gibt es nur 84 Schwimmbäder mit mehr als einem Meter Wassertiefe. 1977 waren es noch knapp 300.

Sport ist teuer auf der Insel

Außerdem sind die Preise für Sportvereine im vergangenen Jahr durchschnittlich um ein Drittel gestiegen und mehr als 250000 Jugendliche warten in Großbritannien auf die Aufnahme in einen Turnverein, weil die Kapazitäten nicht ausreichen. Es wundert sich in Großbritannien deshalb niemand darüber, dass rund 60 Prozent aller britischen Medaillengewinner auf einer teuren Privatschule waren, wo die Voraussetzungen für den Sport besser sind als auf staatlichen Schulen.

Wenn Großbritannien Spiele ausrichten will, die den olympischen Geist und das Gemeinschaftsgefühl stärken, ist es notwendiger denn je, dass es nachhaltige Spiele werden in London. Das weiß auch Sebastian Coe, Chef-Organisator und Lord. „Die Spiele 2012 müssen die britische Sportlandschaft verändern, denn ein Erfolg werden die Spiele nicht nur dann, wenn Großbritannien gut abschneidet, sondern auch, wenn danach viel mehr Jugendliche Sport treiben können und wollen", sagt Coe.

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