Olympia 2012 : London und Madrid bedrängen Paris

Die Wahl der Olympia-Stadt 2012 steht bevor. In einer Präsentation über acht Stunden versuchten Paris, London, Madrid, Moskau und New York, letzte Punkte zu sammeln.

Singapur (06.07.2005, 11:25 Uhr) - Einen besonders nachhaltigen Eindruck vor der 117. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Singapur hinterließ London mit einer vom zweimaligen Leichtathletik-Olympiasieger Sebastian Coe moderierten brillanten Vorstellung. Der vorzeitig aus Singapur zum G8-Gipfel in Gleneagles abgereiste Premier Tony Blair gab per Videotape eine «größtmögliche Garantie für Sicherheit und Finanzen».

Als einzige politische Spitzenvertreter traten nur Frankreichs Präsident Jacques Chirac sowie die Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero (Spanien) und Michail Fradkow (Russland) vor der Vollversammlung auf. Die Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin (Russland) sprachen die IOC-Mitglieder in Aufzeichnungen an.

Ob sich die Ausgangsposition für die Wahl durch die Präsentationen geändert hat, war nicht erkennbar. IOC-Präsident Jacques Rogge sprach allen Präsentationen eine «ausgezeichnete» Qualität zu. Der Belgier wird die Siegerstadt gegen 13.45 Uhr (MESZ) verkünden. Allgemein wird bei der Wahl, in der jeweils die Stadt mit den wenigsten Stimmen ausscheidet, eine Runde der letzten Drei mit dem Favoriten Paris, seinem Herausforderer London sowie Madrid erwartet. Sollte die spanische Hauptstadt das Finale erreichen, wird ihr angesichts der französisch-spanischen Rivalitäten auch im IOC sogar ein Sieg zugetraut.

«Sie können ihr Vertrauen in Frankreich setzen, sie können den Franzosen vertrauen, sie können uns vertrauen», sagte Chirac, bevor er sich ebenfalls auf den Weg nach Gleneagles machte. Paris warb mit einem von dem bekannten Regisseur Luc Besson gestalteten Film, der das Bewerbungsmotto «Die Liebe zu den Spielen» thematisierte.

Im Gegensatz zu der eher dezenten Präsentation stellte sich New York als eine Weltmetropole der Superlative dar, die ein «perfekter Platz für die Spiele» sei, wie Bush-Vorgänger Bill Clinton per Videotape erklärte. Bush sagte in seiner sehr kurzen Ansprache, die amerikanische Regierung und beide Häuser des Parlaments «stehen voll» hinter der Bewerbung. Die Regierung garantiere für Sicherheit und Visa, sagte er ganz allgemein.

New Yorks Senatorin und Clinton-Ehefrau Hillary Clinton, die als höchste politische Repräsentantin der USA nach Singapur gekommen war, sagte: «Wir sind zu hundert Prozent bereit, spektakuläre Spiele zu veranstalten.» Mit Reserven nahmen die IOC-Mitglieder zur Kenntnis, dass New York sich nur für 2012 bewerben wird. Danach sei eine Veranstaltung der Spiele nicht mehr möglich. Die von Krankheit gezeichnete Box-Legende Muhammad Ali gehörte nicht zur offiziellen Bewerbungsdelegation. Als Ali zur Vorstellung aufgerufen wurde, hatte er Mühe, sich von seinem Platz zu erheben. Die Spitzen des Weltsports feierten ihn im anrührendsten Moment der Präsentationen mit einer Ovation.

London thematisierte vor allem die Bezüge Olympias zu der Jugend und sprach von dem großen Vermächtnis, das die Schaffung eines Sportzentrums in einem großen Olympia-Park auf Brachland im Osten der Stadt hinterlassen werde. «Wenn sie London wählen, senden sie eine klare Botschaft aus - die Olympischen Spiele sind für Euch, für die nachfolgenden Generationen», sagte Coe als Bewerbungschef der britischen Metropole.

Für Madrid hielt Königin Sofia ein eindrucksvolles Plädoyer. «Im Namen der königlichen Familie» stellte sie «die besten Spiele überhaupt» in Aussicht und stellte sich als «Freundin» der Olympier dar. Zugleich wies sie auf die vielfältige Olympia-Beteiligung ihrer Familienmitglieder im Segeln und Handball hin. Der Sohn des ehemaligen IOC-Präsidenten, Juan Antonio Samaranch jr., hob die mit 91 Prozent größte Zustimmung der Bevölkerung unter den Bewerbern hervor.

Putin versprach für Moskau «als Präsident und Judosportler» die «besten Olympischen Spiele der Olympischen Bewegung». Er unterstütze die Kandidatur «im Namen meines Landes und des russische Volkes mit aller Kraft». Die Gäste «würden in Moskau sicher sein». Die Stadt stellte die einzigartige Kompaktheit seiner Bewerbung heraus. Moskau will bis auf Segeln alle 28 Sportarten bei den «Spielen am Fluss» an der Moskwa veranstalten und dabei auf schon bei den Olympischen Spielen 1980 genutzten Wettkampfstätten zurückgreifen. (Von Günter Deister, dpa)

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