Olympia 2014 : In Sotschi läuft vieles schief

Die Baustellen für Olympia 2014 im russischen Sotschi werden seit vergangener Woche bestreikt. Grund sind ausbleibende Lohnzahlungen und unzumutbarer Lebensbedingungen der Bauarbeiter. Auch schlampige Bauausführung sei kein Einzelfall.

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Von dem Empfang, den Präsident Dmitri Medwedew für die russischen Medaillengewinner der Olympischen Spiele in Vancouver gab, berichteten staatsnahe Medien mit viel Liebe zum Detail. Dass seit vergangener Woche Baustellen in Sotschi, wo 2014 die nächsten Spiele stattfinden, bestreikt werden, erfuhren dagegen nur die Hörer kritischer Nischenradiosender. Grund für die Streiks sind vor allem ausbleibende Lohnzahlungen. Die Rückstände belaufen sich auf umgerechnet 500 000 Euro. Mehrere Streikende sagten dem russischen Dienst des US-Auslandssenders Radio Liberty (RFL), sie hätten seit sechs Monaten keine Kopeke bekommen.

Gestreikt wird auch wegen unzumutbarer Lebensbedingungen. Bauarbeiter aus anderen Regionen sind in Baracken ohne Wasser und Toilette untergebracht. Bei der Staatsholding Olimpstroi, zuständig für Bauaufsicht und Koordination, sah man bisher keinen Handlungsbedarf: Das Problem sei ein „finanzieller Konflikt der Auftragnehmer“. Einer, mit dem sich die Staatsanwälte beschäftigen. Denn ein Moskauer Unternehmen, das als Generalauftragnehmer beim Bau von Häusern für Umsiedler fungiert, deren Grundstücke für Olympia gebraucht werden, soll die Löhne in voller Höhe an seinen lokalen Auftragnehmer überwiesen haben. In den Taschen von dessen Managern soll das Geld hängen geblieben sein.

Der Moskauer Generalauftragnehmer wirft dem Subunternehmen auch schlampige Bauausführung vor. Offenbar kein Einzelfall. Lokale Subunternehmen sind Experten zufolge mit den strengen Qualitätsstandards für Wettkampfstätten und Infrastruktur völlig überfordert. Weil sie nur abkassieren wollten, würden sie auch die Materialkosten drücken. Viele der Bauten, so Michail Deljagin vom Moskauer Institut für Globalisierungsprobleme im RFL, seien „eine Lachnummer“ und würden kurz nach den Spielen in sich zusammensacken. Damit nicht genug: Eigentümer von Grundstücken, die für die Olympischen Spiele gebraucht werden, sollen mit einem Viertel dessen abgefunden werden, was ihnen 2008 zugesagt wurde. Begründung: Verfall der Immobilienpreise durch die Krise.

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