Olympia 2016 in Rio : Christina Schwanitz verpasst den Krimi

Die Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz verkrampft in Rio - und erreicht ihr Ziel nicht, eine Medaille zu gewinnen.

von
Christina Schwanitz will den Wettkampf schnell vergessen.
Christina Schwanitz will den Wettkampf schnell vergessen.Foto: dpa

Nach der großen Enttäuschung am Morgen folgte die maximale Ernüchterung in der Nacht. Zum Auftakt der olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe war am Freitagvormittag Diskus Olympiasieger Robert Harting von einem Hexenschuss geplagt in der Qualifikation ausgeschieden, in der Abend-Session wollte es Christina Schwanitz besser machen. Die Welt- und Europameisterin im Kugelstoßen war Mitfavoritin auf Gold, fand aber überhaupt nicht in den Wettkampf. Ihre Weite von 19,03 Meter bedeutete nur Rang sechs. Gold ging an die US-Amerikanerin Michelle Carter, die sich im letzten Versuch mit dem neuen US-Rekord von 20,63 Meter noch an Valerie Adams aus Neuseeland (20,42) vorbeischob, die damit ihren dritten Olympiasieg in Serie verpasste. Bronze ging an Anita Marton aus Ungarn (19,87).

„Ich hatte überhaupt kein Gefühl, die Leichtigkeit war komplett weg“, sagte Schwanitz. „Ich war viel zu verkrampft und wollte zu viel.“ Sie habe in dieser Saison nach Verletzungsproblemen zu wenige Wettkämpfe absolvieren können, um vor allem mental mit dem Druck gut umgehen zu können: „Ich war nicht auf den Punkt fit, ich konnte nicht mehr Leistung abliefern.“ Sie habe dann versucht, den Wettkampf mit der Brechstange zu bestreiten und „das Wasser aus der Kugel zu drücken, aber das bringt halt nichts“. Den sechsten Platz bei Olympischen Spielen bezeichnete Schwanitz zwar als „zu honorierende Leistung“ ihre Weite wollte sie aber „bitte ganz schnell vergessen“.

Schwanitz kann sich nicht steigern

Vor dem Start des Endkampfs spielte eine Sambaband zum Tanz vor dem Kugelstoß-Ring auf, Deutschlands Sportlerin des Jahres 2015 winkte bei ihrer offiziellen Vorstellung aber nur kurz zu den wenigen Zuschauer im Estádio Olímpico João Havelange hinauf. Angeblich war das Stadion zu knapp 70 Prozent ausverkauft, besetzt waren die Sitze aber nicht einmal zu einem Viertel. Entsprechend mau war die Atmosphäre. „Ich habe mit nichts anderem gerechnet“, sagte Schwanitz. „Wir haben vom Publikum beim Rausgehen mehr mitbekommen als während des Wettkampfs.“

Ihren ersten Versuch stieß Schwanitz auf 19,03 Meter, eigentlich kein schlechter Auftakt – es sollte jedoch ihr weitester Stoß des Abends bleiben. Die nächsten vier Versuche gerieten kürzer, Schwanitz machte sie mit Absicht ungültig. Obwohl sie sich noch einmal mit ihrem Trainer Sven Lang beriet, gelang ihr auch im letzten Versuch keine Steigerung. „Ich habe ihn schon verstanden, aber ich konnte es einfach nicht umsetzen“, sagte Schwanitz, der Traum von der Medaille war geplatzt. So musste die 30-Jährige mitansehen, wie sich Adams und Carter einen spannenden Kampf um Gold liefern. „Das war ein geiler Wettkampf, ein richtiger Krimi“, sagte Christina Schwanitz. „Leider war ich kein Teil davon.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben