Olympia 2016 in Rio : Tischtennisspieler Timo Boll: Olympias Geistlicher

Timo Boll ist der deutsche Fahnenträger. Das war die richtige Entscheidung, denn wer wäre besser geeignet? Ein Kommentar

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Übt schon mal im Kleinen. Timo Boll wird für das deutsche Team die Fahne tragen.
Übt schon mal im Kleinen. Timo Boll wird für das deutsche Team die Fahne tragen.Foto: dpa

Die erste olympische Entscheidung der deutschen Mannschaft in Rio de Janeiro war auf jeden Fall eine glückliche. Wer wäre als Fahnenträger besser geeignet als Timo Boll? Er verkörpert so viel von dem, was Sport und was Olympia ausmacht. Das wissen auch die anderen Athleten. Und Wahlen, in denen Sportler über Sportler entscheiden, gelten intern immer besonders viel.

Seit den Spielen von Sydney vor sechzehn Jahren spielt Boll bei Olympia mit und hat auch schon zwei Medaillen gewonnen. Olympiasieger ist er bisher noch nicht geworden, und auch das ist Teil seiner persönlichen olympischen Geschichte. Als es um den Zusammenhalt ging, war er am besten. Im Mannschaftswettbewerb hat er seine wichtigsten Spiele alle gewonnen und in London sogar den besten Chinesen Zhang Jike besiegt. Im Einzel jedoch spielte er meist nicht ganz so stark und unterlag Spielern, die er zum Beispiel bei einer Europameisterschaft vielleicht geschlagen hätte. In London etwa scheiterte er vorzeitig am Rumänen Adrian Crisan. Timo Boll scheint also an den olympischen Geist zu glauben und hat auch ein bisschen Ehrfurcht vor ihm.

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Boll trägt die Fahne: 'Tränchen sind geflossen'
Boll trägt die Fahne: 'Tränchen sind geflossen'

Diese Niederlagen haben ihn vielleicht getroffen, aber er schafft es dennoch schnell wieder, mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Auch das zeichnet ihn aus. Vor allem aber nimmt Timo Boll seinen Sport ernst. Er möchte Tischtennis spielen, so lange es ihm Spaß macht. Das Spiel an sich bedeutet ihm mehr als das Gefühl, vielleicht später einmal gegen Spieler zu verlieren, die er früher regelmäßig geschlagen hatte. Daher hat es Boll nicht ausgeschlossen, auch 2020 in Tokio noch einmal bei Olympia an den Start zu gehen.

Für diesen Auftritt müsste dann noch ein neues Amt erfunden werden, eine Art Alterspräsident der deutschen Olympiamannschaft.

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