Olympia 2018 : "Das ist keine Luxusbewerbung"

Olympia-Bewerbungschef Richard Adam spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die Finanzierungsprobleme von München 2018.

Adam Foto: imago
Richard Adam -Foto: imago

Herr Adam, die Münchner Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018 wollte im Februar 2009 viel weiter sein. Was ist passiert?



Die Verhandlungen mit den Förderern waren im Herbst letzten Jahres sehr weit fortgeschritten, allerdings noch nicht in allen Fällen rechtskräftig. Dann kam im September mit der internationalen Finanzkrise ein wirtschaftliches Signal, nach dem viele Sponsoren erst einmal a warten wollten. Aber jetzt geht es eigentlich aufwärts.

Wie viele Sponsoren haben Sie im Moment?

Wir wollen zehn große nationale Förderer haben. Momentan haben wir zwei, die Geld in die Kasse gespült haben. Das sind der Flughafen München und die Messe München. Demnächst werden wir noch zwei größere Namen bekannt geben. Und dann gibt es noch ein zweites Konzept für Förderer, die uns mit Büromöbeln, Computern, Mietflächen, Fahrzeugen ausstatten.

Sie sollen noch nicht einmal ein Telefon haben?

Ich kokettiere damit auch. Natürlich haben wir ein paar Computer und Laptops, aber die richtige Ausstattung haben wir noch nicht. Und 50 Prozent unserer Büros sind noch nicht bezugsfertig

Wie groß ist Ihre Mannschaft?

Wir sind aktuell zu sechst. Bei der Gesellschafterversammlung am Donnerstag werde ich vorstellen, welche Projekte angeschoben werden und welcher Personalbedarf damit verbunden sein wird. Wir setzen schnell einen ersten Internetauftritt um und die ersten Maßnahmen für die Öffentlichkeit. Wir brauchen Anlässe, wir brauchen Events, wir müssen der Bevölkerung erklären, um was es geht. Außerdem brauchen wir über die Planung hinaus weitere Bestandteile für das Bid Book, die offiziellen Bewerbungsunterlagen. Wir haben jetzt eine echte Aufbruchstimmung.

Wilfrid Spronk, der Chef des Olympiaparks, scheidet aber als Geschäftsführer aus, weil er gesundheitliche Probleme hatte und zuletzt zur Kur war. Wird er der Münchner Bewerbung trotzdem erhalten bleiben?

Er will mit seinem Körper vorsichtig umgehen und tastet sich zurzeit wieder Schritt für Schritt in den Alltag rein. Er hat exzellente Kontakte, ist völlig unbelastet und hat viele Beziehungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Das muss man einfach nutzen.

Wie stehen die Chancen, dass Ihnen die Gesellschafterversammlung am Donnerstag einen zweiten Geschäftsführer zur Seite stellt, nämlich Bernhard Schwank, den derzeitigen Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, der wiederum 51 Prozent an der Bewerbungsgesellschaft hält?

Wie die Chancen stehen, wissen die Gesellschafter besser. Ich kann mir vorstellen, dass wir gut zusammenarbeiten können. Ob ein zweiter Geschäftsführer Bernhard Schwank heißt oder anders, ist aber auch eine Frage des Zeitpunkts. Wir stehen finanziell aktuell nicht so da, dass wir aus dem Vollen schöpfen können, das muss man auch sagen.

Es gibt Gerüchte, dass der Münchner Bewerbungsgesellschaft im Sommer das Geld ausgehen könnte.

Grundsätzlich ist kalkuliert, dass die Bewerbung 30 Millionen Euro kostet. Wenn Sie das auf drei Jahre umlegen, wären das zehn Millionen pro Jahr. Diese brauchen wir im ersten Jahr vielleicht nicht ganz, deshalb haben wir es mit etwa acht Millionen budgetiert. Die sind noch nicht ganz zusammen. Es reicht für das erste halbe Jahr, dann müssen wir noch einmal überlegen, wo wir etwas auftun.

Vielleicht beim Steuerzahler?

Wir bekennen uns zu dem Ziel, die Bewerbung privat zu finanzieren. Deshalb sind Steuergelder aktuell kein Thema.

Machen Sie doch Abstriche am Budget!

Das ist keine Luxusbewerbung. Als Außenstehender habe ich mir vor ein paar Jahren auch gedacht: Mensch, 30 Millionen, für was geht denn das drauf? Aber wenn Sie die einzelnen Positionen sehen, die Sie angehen müssen, dann wird die Summe klarer. Wissen Sie, was die Russen für die Bewerbung von Sotschi 2014 ausgegeben haben? 100 Millionen Euro.

Peking hat mit allen Infrastrukturmaßnahmen für die Sommerspiele im letzten Jahr 40 Milliarden Dollar bezahlt. Sind Olympische Spiele für München in der Finanzkrise nicht eine Nummer zu groß?

Genau das Gegenteil ist der Fall. In Peking wurde alles neu gebaut, in Sotschi wird alles neu gebaut. Die Münchner Bewerbung hingegen hat Charme.

Was ist so charmant daran?

70 Prozent der Infrastruktur sind schon vorhanden, und zwar auf Olympia niveau. Wir stehen hier gerade an der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, die für die Ski-Weltmeisterschaft 2011 aufgewertet worden ist. Wir werden genau diese Strecken nutzen. Der Eiskanal in Königsee wird sowieso aufgerüstet zum modernsten der Welt. Und wir setzen auch auf die erfolgreichste Nachnutzung von olympischen Flächen, die es je in der olympischen Geschichte gegeben hat: mit dem Olympiagelände in München. Das ist ein Konzept, das es an Nachhaltigkeit noch nie gegeben hat. Außerdem weiß München seit 1972 am besten, dass Olympische Spiele ein guter Anlass sind, um bei der Infrastruktur wieder einen Schritt nach vorne zu kommen.

Hilft es München, dass Sotschi 2014 so kostspielig wird und Sie ein exakt gegenteiliges Konzept verfolgen?

Auch Vancouver hat zuletzt mit der ungesicherten Finanzierung des Olympischen Dorfes Schlagzeilen gemacht. Ich will es mal so sagen: Wir werden dem Internationalen Olympischen Komitee klar machen, dass München ab der Vergabe 2011 nur noch positive Nachrichten produzieren wird.

Eine äußerst gewagte Prognose.

Das hängt damit zusammen, dass die Infrastruktur fertig und erprobt ist, es keinen Zweifel gibt, dass man so etwas in Deutschland organisieren kann, wir uns bei der öffentlichen Sicherheit auf einem hohen Niveau befinden und man seit der Fußball-WM weiß, dass es hier auch nicht an der Stimmung scheitern soll.

Aber vielleicht an der Finanzierung?

Das werden wir auch hinkriegen.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

Richard Adam, 47, arbeitete zehn Jahre lang als Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Seit 1. Januar ist er Geschäftsführer der Münchner Olympia-Bewerbungsgesellschaft.

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