Olympia 2018 : München strahlt

Die Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018 erhält durch den Evaluierungsbericht neuen Schwung. Insgesamt kommt Pyeongchang wohl noch etwas besser weg als München.

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Gute Bewertung, gute Laune. Katarina Witt und Oberbürgermeister Christian Ude sehen sich und Münchens Bewerbung vom IOC bestätigt.
Gute Bewertung, gute Laune. Katarina Witt und Oberbürgermeister Christian Ude sehen sich und Münchens Bewerbung vom IOC bestätigt.Foto: dapd

Die Essenz des 119 Seiten starken Reports ist äußerst nüchtern. Am Dienstag bestätigte das Internationale Olympischen Komitee (IOC) im Prüfbericht seiner Evaluierungskommission, alle drei Bewerber für die Winterspiele 2018 seien in der Lage, „erfolgreiche Spiele“ veranstalten zu können. Trotzdem strahlen die deutschen Olympia-Vorkämpfer im Münchner Rathaus um die Wette, als sie das Dokument bewerten sollen. So schwärmt Katarina Witt, einst Eiskunstläuferin und nun Olympia-Aushängeschild, von den „Spielen für Athleten“, von kurzen Wegen und dass man vom geplanten Olympischen Dorf in München zu den Wettkampfstätten bequem laufen kann. „Nichts ist schlimmer, als stundenlang im Bus zu sitzen und zu warten“, sagt Witt. In München ist man sich sicher, mit dem Bericht gegenüber den Konkurrenten Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) gepunktet zu haben.

Bernhard Schwank, Chef der Münchner Geschäftsführung, sieht in dem Bericht der IOC-Evaluierungskommission „unser Konzept in allen Teilen bestätigt und positiv gewürdigt“. Es sei ein „starkes Angebot“, vor allem seien die Prüfer wohl von den „kompakten Spielen“ ohne größere Distanzen und vom Umweltkonzept begeistert. Das Umweltkonzept sieht vor, dass es zu so wenig Eingriffen in die Natur wie möglich kommt und dass viele Gebäude zurückgebaut werden. Auch sollen im Gegenzug zum erhöhten CO2-Ausstoß etwa wegen des Verkehrs anderswo Grünflächen entstehen. Allerdings attestiert das IOC auch Pyeongchang ein „sehr kompaktes Konzept“ mit „sehr kurzen Reisezeiten“. Zudem sei es „bedeutsam, den Wintersport in Asien“ weiterzuentwickeln, heißt es im Prüfbericht.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) betont die Nachhaltigkeit des Münchner Konzepts, muss allerdings auch auf kritische Anmerkungen des IOC eingehen – wenngleich er sie freundlich als „hilfreiche Hinweise“ bezeichnet. So hat die Abordnung aus Lausanne, die Anfang März eine Woche lang München und Oberbayern inspizierte, sehr wohl bemerkt, dass die Zustimmung in der Bevölkerung nicht ungeteilt ist. Die Grünen seien auf Landes- und Bundesebene gegen Olympia 2018, schreiben die Prüfer, auf lokaler Ebene gebe es in Garmisch-Partenkirchen Widerstand. Das Internationale Olympische Komitee merkt an, dass nach eigenen Umfragen nur 53 bis 60 Prozent der Bürger für Olympia seien. Im südkoreanischen Pyeongchang, das als Favorit gilt, sind es hingegen 92 Prozent.

Ude kontert mit eigenen Zahlen: Während entschlossene Gegner nur neun bis 15 Prozent der Bevölkerung ausmachten und auch nicht mehr würden, steige die Zahl der Unterstützer von Monat zu Monat. In Garmisch-Partenkirchen verzeichneten die Münchner Bewerber am vergangenen Sonntag einen bescheidenen Erfolg. Immerhin stimmten 58 Prozent der Bürger der Marktgemeinde in einem Bürgerentscheid für die Spiele. Allerdings meldet sich auch das Anti-Olympia-Bündnis „NOlympia“ am Dienstag zu Wort und wertet den IOC-Bericht in einer Mitteilung als „schwaches Zeugnis“ für die Münchner Bewerbung, die „angeprangerten Fehlentwicklungen“ seien nun auch „von offizieller Seite bestätigt“.

Den Olympia-Prüfern des IOC ist auch nicht entgangen, dass in Garmisch-Partenkirchen sieben Prozent der verplanten Flächen derzeit nicht zur Verfügung stehen sollen, weil sie die Grundbesitzer, meist Bauern, nicht hergeben wollten. Thomas Bach, IOC-Mitglied und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, der aus Genf ins Münchner Rathaus zugeschaltet ist, meint dazu: „Die Grundstücksfrage spielt keine Rolle, denn es gibt Alternativplanungen.“

Insgesamt kommt Pyeongchang wohl etwas besser weg als München, während an Annecy vieles bemäkelt wird: zu lange Wege, zu wenige Hotels und Gewerkschaften, die womöglich zum Streik aufrufen. Unklar ist, welche Bedeutung der Bericht hat für die IOC-Entscheidung am 6. Juli. Oft entscheiden die Mitglieder nach anderen, nicht gerade transparenten Kriterien.

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