Olympia : Athleten mit Atemmaske

Peking simuliert schon mal einen olympischen Ernstfall: Marathonläufe im Smog. Wenn es regnet, lässt es sich gut laufen.

Benedikt Voigt[Peking]
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Sollte es trocken bleiben, drohen den Sportlern Beschwerden. -Foto: dpa

Nach zwei Stunden, 14 Minuten, und fünf Sekunden lief auch ein Deutscher zeitgleich mit dem Mongolen Serod Batochir im Pekinger Nationalstadion durchs Ziel. Allerdings nur über Lautsprecher. „Freude schöner Götterfunken…“, dröhnte es im strömenden Regen, während der erste Marathonsieger im neuen Olympiastadion ein Handtuch über die Schulter gelegt bekam, „…Tochter aus Elysien.“ Schon vor Beethovens neunter Sinfonie hatten die rund 15 000 zumeist Fähnchen schwenkenden Zuschauer einen hymnischen Klangteppich geboten bekommen. Eine Erkenntnis für die Olympischen Spiele 2008 lautet daher: Es dürfte laut werden.

Am vergangenen Wochenende hat Peking für Olympia trainiert. In sieben Testevents simulierten die Gastgeber der Olympischen Spiele den Ernstfall an den Wettkampfstätten. Ein Augenmerk lag dabei auf dem Marathon, könnte doch die Gesundheit der Ausdauerathleten im beständigen Pekinger Smog möglicherweise gefährdet sein. Weltrekordhalter Haile Gebrselassie hat aus diesem Grund seinen Start in Peking bereits abgesagt. „Es ist schade für ihn, wenn er nicht kommt“, sagte der Drittplatzierte Han Gang aus der Inneren Mongolei, „der flache Kurs wird gute Resultate begünstigen.“ Während seine chinesischen Kollegen sich durchweg positiv über die Generalprobe äußerten, fand die einzige europäische Starterin kritischere Worte. „Ich überlege, hier im Training mit Atemmaske zu laufen“, sagte die Britin Mara Rosalind Yamauchi, „es könnte mir helfen, bei den Spielen eine bessere Leistung zu bringen.“

Die 34 Jahre alte Marathonläuferin, die mit einem Japaner verheiratet ist und in dessen Heimat lebt, war am Freitag in Peking angekommen. „Am ersten Tag im Training war die Luft kein Problem“, sagte sie, „aber als ich am Samstag spazieren gegangen bin, war sie ziemlich verschmutzt.“ Beim Testrennen hatte sie jedoch keine Probleme mit dem Atmen, der Dauerregen dürfte einige Partikel aus der Luft gewaschen haben. „Die Luft ist nur ein bisschen trocken“, sagte Mara Rosalind Yamauchi.

Auf allen Ausdauersportarten, die länger als eine Stunde im Freien stattfinden, wird bei den Spielen die besondere Aufmerksamkeit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) liegen. Dazu zählen Marathon, Langstrecken-Schwimmen, Straßenradrennen, Mountainbike-Rennen, Triathlon und Gehen. „Seien Sie versichert, dass Gesundheit und Sicherheit der teilnehmenden Athleten von größter Bedeutung für uns sind“, sagte der Medizinische Direktor des IOC, Patrick Schamasch. Während der Spiele sollen die Luft- und Wetterbedingungen täglich an das IOC gemeldet werden. Dessen Präsident Jacques Rogge hat angekündigt, Wettbewerbe zu verschieben, falls die Umweltbedingungen an einem Tag zu ungünstig seien. Besondere Schwierigkeiten würde in diesem Fall der Marathon der Männer bereiten. Er findet am letzten Tag der Spiele statt und müsste somit nach der Schlussfeier stattfinden. „Wir haben fünf oder sechs Szenarien besprochen, die noch nicht bekannt gegeben werden“, sagte der Direktor der IOC-Koordinierungskommission Gilbert Felli.

Die chinesische Regierung versucht der Luftverschmutzung bis zu den Spielen mit Fabrikschließungen, Fahrverboten und der Eröffnung weiterer U-Bahnlinien beizukommen. „Ich glaube aber nicht, dass der Smog dadurch ganz verschwinden wird“, sagte Mara Rosalind Yamauchi. Sie wolle ihre Erkenntnisse vom Sonntag auch an Weltrekordhalterin Paula Radcliffe und den britischen Leichtathletikverband weitergeben. Doch die Britin wollte die Gastgeber der Olympischen Spiele nicht nur kritisieren. In die chinesischen Kameras und Mikrophone sagte sie: „Der Kurs ist sehr gut und das Stadion wunderschön.“

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