Olympia-Attentat 1972 : Die Terroristen von gegenüber
05.09.2012 23:28 UhrDer Tag hatte viel früher begonnen, als geplant. „Gegen halb fünf klopfte es an der Tür unseres Zweimannzimmers“, erinnert sich Harald Irmscher. „Mein Mitspieler und ich schliefen noch. BGS-Beamte forderten uns auf, nicht mehr auf den Balkon zu gehen.“
Der Mittelfeldspieler des FC Carl Zeiss Jena war 1972 nach München gekommen, um im Fußball eine olympische Medaille für die DDR zu gewinnen. Nun aber war er in einen blutigen Konflikt geraten, der die Welt erschütterte: die Geiselnahme israelischer Sportler durch Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“. Irmscher, damals 26 Jahre jung, hat den Terror miterlebt.
Auch sein Leben war in Gefahr.
Am Morgen des 5. September 1972, heute vor 40 Jahren, waren die Attentäter ins kaum gesicherte Olympische Dorf eingedrungen, um elf israelische Athleten in ihre Gewalt zu bringen. Mit ihnen wollten sie 200 in Israel inhaftierte Palästinenser freipressen. Die Aktion endete als blutiges Desaster. Gleich zu Beginn erschossen die Terroristen zwei Israelis, die beim Überfall Widerstand leisteten. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher starben bei einem dilettantischen Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck die anderen neun Israelis; dazu fünf Terroristen und ein Polizist.
Das Olympia-Attentat von München in Bildern
„Als ich kürzlich einen Fernsehfilm über die Ereignisse sah, kam mir wieder alles ins Bewusstsein“, sagt Irmscher und sieht die Beteiligten noch einmal vor seinen Augen: „Der maskierte Terrorist und sein Kompagnon mit dem hellen Hut, der vor dem Haus mit Genscher und der Polizei verhandelte – ich hatte sie ja selbst fotografiert.“ Vom Balkon aus.
Die DDR-Fußballer wohnten im sechsten Stock eines Hausblocks, von dem aus sie auf den Flachbau gucken konnten, in dem die Israelis untergebracht waren. „Von den Schüssen während des Überfalls hatten wir nichts mitbekommen. Die Beamten sagten nur, dass etwas passiert sei, mehr nicht.“ So nahmen sich die Fußballer vor, Ruhe zu bewahren und im Zimmer liegen zu bleiben. „Natürlich machten wir kein Auge mehr zu vor Aufregung.“
Dass an der Connollystraße das Quartier der Israelis lag, habe er erst nicht gewusst, erzählt Irmscher. Zu den anderen Sportlern hätte sein Team kaum Kontakt gehabt. „Und dann informierte uns unsere Mannschaftsleitung, dass bewaffnete Palästinenser bei den Israelis eingedrungen waren.“ Genau gegenüber.















