Olympia-Besuch : Was Wowereit in Peking macht

Der Regierende Bürgermeister redet bei seinem Olympia-Besuch vor allem über die kommende Leichtathletik-WM in Berlin - aber auch über Tibet.

Friedhard Teuffel[Peking]
Peking 2008 - Empfang der Deutschen Botschaft
Klaus Wowereit posiert vor der deutschen Botschaft in Peking mit dem Künstler Li Jiwei.Foto: dpa

Die Reise begann für Klaus Wowereit mit einer Niederlage. 2:3 gegen China. Keine Chance mehr auf Gold für die deutschen Hockeyspielerinnen, das sah sich der Regierende Bürgermeister am Mittwoch an. Am Donnerstagabend wurde es dann besser. Da  besuchte Wowereit die Leichtathleten im Nationalstadion von Peking, und prompt holte die deutsche Speerwerferin Christina Obergföll Bronze - die erste Medaille überhaupt für die deutschen Leichtathleten bei diesen Spielen.

Leichtathletik muss Wowereit im Moment sowieso wichtiger sein als Hockey. Der Regierende Bürgermeister will bei den Olympischen Spielen in Peking Sponsoren für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 gewinnen und auch noch um Zuschauer werben. „Bei Olympischen Spielen sind alle vor Ort, Sponsoren, Verbände, andere Unternehmen", sagte Wowereit.

Bei wem es sich überhaupt lohnt, ihn als Werbepartner anzusprechen, weiß Wowereit jedoch teilweise noch gar nicht. Denn der Internationale Leichtathletik-Verband hat den Berlinern noch nicht mitgeteilt, für welche Branche sie noch Unternehmen akquirieren dürfen, und welche Segmente schon durch internationale Sponsoren besetzt sind.

Leichtathletik-WM: "Wir hoffen, dass wir nicht draufzahlen müssen"

Bei den Zuschauern haben die Berliner knapp ein Jahr vor Beginn der Weltmeisterschaft am 15. August 2009 schon etwa ein Drittel ihres Ziels erreicht. 500000 Karten müssen sie verkaufen, um das Stadion an allen neun Wettbewerbstagen zu füllen, 145000 sind sie bislang los geworden. 20 Millionen Euro hatte der Senat an Zuschüssen versprochen.

„Wir hoffen eher, dass wir nicht noch etwas draufzahlen müssen", sagte Wowereit, „wir wollen erst einmal absichern, dass es bei den 20 Millionen bleibt." Allein deshalb sei es schon wichtig, bei den Olympischen Spielen in Peking präsent zu sein. „Jeder Bericht über die Leichtathletik-WM ist eine Werbung für uns", sagte Wowereit, der auch Präsident des lokalen Organisationskomitees ist.

Menschenrechte: "Ich gehöre nicht zu den Illusionisten"

Für seine Reise nach Peking hatte sich der Regierende Bürgermeister Kritik aus der Opposition anhören müssen. Doch auch in Peking verteidigte Wowereit noch einmal seine Entscheidung. „Die Spiele können zu einer Öffnung Chinas beitragen", sagte er. Die Menschenrechte habe er schon angesprochen, aber nicht konkret mit Listen von politischen Gefangenen.

„Wir diskutieren über die Tibet-Frage, wir diskutieren über den Entwicklungsprozess", sagte Wowereit nach seinem Gespräch mit dem chinesischen Vize-Premierminister Wang Qishan. „Ich gehöre aber nicht zu den Illusionisten, die glauben, dass sich die chinesische Seite sofort verändert, wenn man drei Worte sagt."

Trotz der anhaltenden Debatte über China, Tibet und die Menschenrechte habe sich die Kritik der Chinesen eher auf die Franzosen konzentriert, sagte Wowereit. Der chinesische Vize-Premier habe ihm gegenüber nur bedauert, dass die Entwicklung Chinas in der westlichen Welt zu wenig gewürdigt werde. Ein chinesischer Journalist habe außerdem von ihm wissen wollen, warum denn der Dalai Lama am Brandenburger Tor reden durfte und Barack Obama nicht. „Ich habe ihm gesagt, dass Obama auch gedurft hätte aber nicht wollte."

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