Olympia-Bewerbung : Eine neue Zeit beginnt

Seit dem Auszug des FC Bayern sucht der Olympiapark in München nach einem neuen Konzept. Durch die Kandidatur der Stadt für die Winterspiele 2018 hofft man nun auf den nächsten Schub.

Benedikt Voigt[München]

Tinfeng Xu weiß nicht, wo er sich befindet. „Ich folge einfach unserem Guide“, sagt der Chinese aus Nanjing und hastet seiner Reisegruppe hinterher, die den Spiridon-Louis-Ring in Richtung Olympiaschwimmhalle hinaufsteigt. Zwei Tage hat sein Europa-Besuchsprogramm für München veranschlagt, gerade hat Tinfeng Xu die neu eröffnete BMW-Welt besucht, das weiß er noch, aber was ist das hier nochmal? Es muss ein besonderer Ort sein, sonst hätte nicht der berühmte chinesische Pianist Lang Lang seine Handabdrücke auf dem Gehweg am See hinterlassen. Aber was genau ist an diesem Ort passiert? Tinfeng Xu stemmt sich mühsam gegen den lästigen Wind und sagt: „Fragen Sie doch unseren Guide.“

Falls der Chinese nicht erfährt, dass an diesem Ort 1972 die Olympischen Spiele stattgefunden haben, könnte im Jahr 2018 eine weitere Chance zur Aufklärung bestehen: Wenn die Eröffnungsfeier der Winterspiele aus dem alten und dann wieder neuen Münchner Olympiastadion im Fernsehen zu sehen sein sollte, könnte sich Tinfeng Xu daran erinnern, dass er diesen Ort vor mehr als einem Jahrzehnt besucht hat. Bis dahin ist es freilich noch ein weiter Weg, das gestrige Votum des Deutschen Olympischen Sportbundes, sich mit München für die Winterspiele 2018 zu bewerben, ist nur ein erster, wichtiger Schritt. Für den Münchner Olympiapark, der seit dem Auszug des FC Bayern aus dem Olympiastadion eine neue Konzeption versucht, ist die gestrige Entscheidung richtungsweisend. „Das gibt uns einen neuen Schub“, sagt der Kommunikationschef Arno Hartung.

Irene Erben tritt durch das Drehkreuz der Olympia-Schwimmhalle und zieht ihren Schal zu. Die 61-Jährige, die im ehemaligen olympischen Dorf wohnt, hat die Sauna besucht – und gibt damit ein Beispiel für gelebte olympische Nachnutzung. Es ist das Grundkonzept der Bewerbung. So soll 2018 im Schwimmbecken unter ihr, in dem die Vormittagsschwimmer Bahnen ziehen, Curling stattfinden. „Hier ist die beste Möglichkeit, in München zu wohnen“, sagt Irene Erben, „man wohnt zentral und hat trotzdem viele Freizeitmöglichkeiten.“ Von den Winterspielen erhofft sie sich weitere Fortschritte im Park, allerdings sagt sie auch: „Es sollten keine Grünflächen verloren gehen.“

Doch um Veränderungen wird der Park nicht herumkommen, wenn die Spiele 2011 tatsächlich an München vergeben werden sollten. Drei zusätzliche Hallen müssten für die Wettbewerbe auf dem Eis gebaut werden. Neben der Olympiahalle soll eine weitere Halle mit der Kapazität von 15 000 Zuschauern auch nach den Spielen bestehen bleiben und eventuell auf eine Kapazität von 5000 bis 6000 Zuschauern herabgestuft werden und jene Mehrzweckhalle bilden, die München dringend braucht. Die Halle könnte auf dem Gelände des Radstadions stehen, Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat zuletzt die Pläne für ein Musical-Theater an diesem Platz verworfen – und damit den Weg für die neue Halle frei gemacht. Die anderen beiden Hallen sollen nach den Spielen wieder abgebaut werden. In das bestehende Olympia-Ensemble von 1972, das der Architekt Günter Behnisch urheberrechtlich geschützt hat, soll nicht eingegriffen werden.

Kontrovers diskutiert wird bereits der Standort für das neue olympische Dorf. Geschäftsführer Friedbert Greif vom Architekturbüro AS&P, das die Machbarkeitsstudie erstellt hat, sagt: „Die Wettkampfstätten sollten in 15 Minuten erreichbar sein.“ Deshalb hat das Büro ein Kasernengelände an der Dachauerstraße am Olympiagelände als neues Dorf auserkoren. Darüber gibt es nun Streit innerhalb der Bundeswehr. Ein Alternativstandort könnte die Bayernkaserne im Münchner Norden sein.

„Das wird sich noch lösen“, sagt Arno Hartung. Der Kommunikationschef der Olympiapark GmbH sitzt in seinem Büro neben der Olympiahalle, hinter ihm zeigt ein Bild die Bühne der Oper „Turandot“, die 2006 im Olympiastadion aufgeführt worden ist. Sie war eine jener Ersatzveranstaltungen, die nach dem Auszug des FC Bayern stattgefunden haben. Der Abschied vom Fußball bildete einen schmerzhaften Einschnitt für den Park, Arno Hartung bekam damals von Studenten einen Wecker geschenkt, der neben seinem Schreibtisch steht. Darauf ist zu lesen: „Eine neue Zeit beginnt.“ Seit gestern ist diese Uhr wieder aktuell.

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