Olympia : Der Preis der Sicherheit

Die olympischen Spiele in Vancouver brechen jetzt schon Rekorde – beim Etat gegen Gefahren. Besucher der Wettkämpfe müssen sich auf Sicherheitskontrollen wie auf Flughäfen einstellen.

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Ringfahndung in Vancouver. Foto: dpadpa

Keith Davidson erteilt derzeit praktische Ratschläge. Die Olympiafans, die in Vancouver möglichst reibungslos eine Sportstätte betreten möchten, sollten sich einfach verhalten, als wären sie am Flughafen, sagt der Koordinator der Integrierten Sicherheitseinheit (ISU) in Vancouver. „Das heißt, man sollte zeitig da sein, nur eine kleine Tasche mitbringen und alle Metallteile aus der Kleidung entfernen.“ Wie am Flughafen werden bei den Winterspielen alle Besucher Metalldetektoren durchqueren müssen, bevor sie die Sportstätten betreten können.

Die kanadische Regierung überlässt während der Spiele nichts dem Zufall. Bereits 2003 wurde die ISU gegründet, sie setzt sich zusammen aus der Bundespolizei, der Polizei von Vancouver, Militärkräften und privaten Sicherheitsfirmen, 15 500 Männer und Frauen gehören dazu, davon 4500 Soldaten. Hunderte Videokameras wurden installiert, rund um die Sportstätten und an zentralen Orten in der Stadt. Auch auf gelegentliche Straßensperren muss sich die Bevölkerung einstellen. Das kostet Geld, rund 900 Millionen kanadische Dollar, mehr als 600 Millionen Euro, die Provinz und Bundesregierung tragen. Ein neuer Rekord. „Wir überwachen 30 Sportstätten an zwei verschiedenen Orten, Vancouver und Whistler“, begründet Sergeant Leo Monbourquette von der ISU den Aufwand. „Außerdem haben wir Vorkehrungen für ein mittleres Gefahrenpotenzial getroffen, obwohl die Sicherheitsdienste die Gefahr gering einschätzen.“

Doch es ist nicht nur die Geografie der Spiele von Vancouver. Seit dem 11. September 2001 sind die Sicherheitsstandards stark gestiegen und damit die Budgets. Das erste Sportgroßereignis nach den Terroranschlägen waren die Winterspiele von Salt Lake City. Die Organisatoren hatten mit einem Sicherheitsbudget von 270 Millionen US-Dollar geplant, das sie dann um 40 Millionen aufstockten.

Auch die Fußball-WM 2006 in Deutschland setzte neue Standards. „Die personalisierten, fälschungssicheren Akkreditierungen und Tickets und die enge Zusammenarbeit unserer Sicherheitsorganisation mit den staatlichen Stellen – das waren wichtige Stellgrößen“, sagt Helmut Spahn. Der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes war 2006 verantwortlich für die Sicherheit der WM. Eingangsschleusen gab es zwar nicht. Doch um alle Stadien waren zwei Sicherheitsringe gelegt; jeder Besucher wurde bis zu drei Mal kontrolliert. Allein damit waren bei jedem Spiel im Schnitt 1400 Sicherheitskräfte beschäftigt. Spahn verwaltete ein Budget von 40 Millionen Euro – nicht inbegriffen die Kosten, die Bund und Länder trugen.

Auch Tessa Jowell, die britische Olympiaministerin, ächzt schon unter den Sicherheitskosten für die Sommerspiele in London 2012. 600 Millionen Pfund, rund 680 Millionen Euro, sind geplant, plus ein Puffer von 238 Millionen für „unvorhergesehene Sicherheitsausgaben“. Details über Maßnahmen wollen die Briten aber noch nicht preisgeben.

Auf das Publikum scheinen die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen kaum Eindruck zu machen. „Wir haben sehr positives Feedback von den Besuchern der WM bekommen“, sagt Spahn. Die australische Wissenschaftlerin Tracy Taylor, die die Entwicklung der Sicherheitsmaßnahmen bei Sportveranstaltungen seit Jahren beobachtet, bestätigt das zumindest teilweise. Bei ihrer Befragung von Zuschauern bei Olympia 2004 in Athen traf sie zwar auf verärgerte und verängstigte Besucher – aber auch auf viele, die sich darüber überhaupt keine Gedanken machten.

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