Olympia-Dramen : Träume, die an Hürden scheitern

Schon nach drei Schritten brach Liu Xiang mit schmerzverzerrtem Gesicht ab. Der Olympiasieger über 110 Meter Hürden, das größte sportliche Symbol chinesischer Herrlichkeit, schied am Montag im Vorlauf aus – eine Fußverletzung stoppte Chinas populärsten Sportler. Aber er ist mit dieser kleinen Tragödie kein Einzelfall.

Frank Bachner,Martin Gropp
Olympia 2004 Athen Leichtathletik
Irischer Humor. Das Drama von Athen.Foto: dpa

Vanderlei de Lima: Der Brasilianer liegt am Schlusstag der Olympischen Spiele 2004 auf der historischen Strecke von Marathon ins Athener Panathinaikon-Stadion in Führung. Dann zerstört der betrunkene Ire Cornelius Horan bei Kilometer 36 Limas Traum von Gold. Horan, der ein Jahr zuvor schon den Formel-1-Lauf in Silverstone gestört hat, zerrt Lima brutal von der Straße. Der Zwischenfall kostet Lima zehn Sekunden und die Führung. Dennoch läuft er das Rennen zu Ende und holt noch Bronze.

Allen Johnson: Der US-Amerikaner kann sich gut in Liu Xiang versetzen. Der Hürdensprinter, Olympiasieger von 1996 und viermaliger Weltmeister, trat bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als Goldkandidat an. Seine Bestzeit lag bei 12,92 Sekunden, nur eine Hundertstelsekunde über dem Weltrekord. Dann kamen die Vorläufe: Johnson sprintete über die Hürden – und blieb an einer hängen. Aus der Traum vom zweiten Olympiasieg. Den sicherte sich Liu Xiang.

Gail Devers: Die Sprinterin und Hürdenläuferin aus den USA war eine hervorragende Technikerin. Sie wurde als einzige Frau der Welt dreimal Hürdenweltmeisterin. Bei den Olympischen Spielen 1992 will sie Gold über 100 Meter und 100 Meter Hürden. Das erste Projekt gelingt – das zweite nicht. Im Finale liegt sie klar in Führung, dann stürzt sie an der letzten Hürde. Bei den Olympischen Spielen 2000 will sie endlich Gold über die Hürden. Sie läuft im Halbfinale – und kommt nur bis zur fünften Hürde. Dann scheidet sie verletzt aus.

Frank Baumgartl: Der Leichtathlet vom SC Karl-Marx-Stadt in der damaligen DDR lag bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal im 3000-Meter-Hindernislauf auf Goldkurs, als er an der letzten Hürde stolperte. Er lief weiter und gewann immerhin noch Bronze.

Jürgen Hingsen: Der Zehnkämpfer aus Duisburg erlebte bei den Olympischen Spielen 1988 seine schwärzeste Stunde. Die erste Disziplin, den 100-Meter-Lauf, beginnt Hingsen mit einen Fehlstart. Zweiter Versuch, wieder ein Fehlstart von Hingsen. Weil aber Kampfrichter einen Computerausdruck falsch lesen, wird der Fehlstart dem Russen Pawel Tarnowtsky zugeschrieben. Dritter Versuch: wieder Fehlstart Hingsen. Doch beim Zehnkampf ist man erst nach dem dritten Fehlstart disqualifiziert. Vierter Versuch, wieder Fehlstart Hingsen. 2004 sagt der Ex-Weltrekordler: „Ich hatte zehn Jahre lang Albträume.“

Fabian Hambüchen: Der Kunstturner aus Wetzlar wurde 2007 Weltmeister am Reck. In Peking patzte er aber ausgerechnet an seinem Lieblingsgerät zweimal. Sowohl beim Mannschaftswettbewerb als auch im Mehrkampf verfehlte er bei einem Übungsteil die Stange. Im Mehrkampf kostete ihn das eine Medaille. Er wurde nur Siebter. Am Dienstag bekommt er seine dritte Chance: Er tritt im Reck-Finale an (13.30 Uhr in der ARD).

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