Olympia-Finale in Rio : Silvia Neid will Gold zum Abschied

Am Freitag spielen die deutschen Fußballerinnen gegen Schweden im Maracana um Gold. Es wird Silvia Neids letztes Spiel als Trainerin.

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Silvia Neid hört nach 34 Jahren in der Nationalmannschaft auf. Foto: dpa
Silvia Neid hört nach 34 Jahren in der Nationalmannschaft auf.Foto: dpa

Dass sich für Silvia Neid am Freitag ein Kreis schließt, ist eine noch untertriebene Beschreibung. Seitdem sie am 10. November 1982 als 18-Jährige in ihrem ersten Länderspiel gegen die Schweiz eingewechselt wurde – und eine Minute später schon ein Tor schoss –, ist Neid ununterbrochen Teil der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen. Seitdem hat sie 440 Länderspiele als Spielerin, Co-Trainerin und Cheftrainerin absolviert, sie ist mittlerweile 52 Jahre alt und trägt am Spielfeldrand zu ihren Perlohrringen eine schicke Brille. Und am Freitag (22.30 Uhr/ZDF) kann Silvia Neid im Maracana von Rio de Janeiro im olympischen Finale gegen Schweden ihre Karriere mit der Goldmedaille krönen.

Der Olympiasieg ist der einzige wichtige Titel, der Silvia Neid noch fehlt. Als Trainerin und Kotrainerin gewann sie zwei WM- und fünf EM-Titel, dazu kommen drei Bronzemedaillen bei Olympia. Unumstritten war die Bundestrainerin zuletzt trotzdem nicht, besonders das Ausscheiden im Viertelfinale bei der Heim- WM 2011 und der vierte Platz bei der WM 2015 in Kanada ließen Kritik an ihren taktischen Vorstellungen und dem Umgang mit ihren Spielerinnen laut werden. Silvia Neid reagiert auf Vorwürfe schmallippig bis schnippisch. Nach der eher schwachen Vorstellung ihres Teams bei der WM in Kanada sagte sie trotzig, sie werde jetzt erst einmal Urlaub machen, „das habe ich mir verdient“. Für Unverständnis sorgte auch die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), sich frühzeitig auf Steffi Jones als Neids Nachfolgerin festzulegen, in Brasilien gehört die bisherige Leiterin der DFB-Abteilung Frauenfußball bereits zum Trainerstab. Neid bekommt nach den Olympischen Spielen beim DFB einen neu geschaffenen Posten als Chefin der neuen Abteilung für Frauen und Juniorinnen, sie soll Spielerinnen scouten und Trends im Weltfußball beobachten.

Neid will jeden Moment im Maracana aufsaugen

Vor dem Endspiel gegen Schweden rückt für Neid alles Ungemach der Vergangenheit in den Hintergrund. Sie wolle das Finale und das olympische Drumherum in Rio total genießen, sagte sie: „Die letzte Vorbereitung, die letzte Analyse, die letzte Spielbesprechung – das werde ich alles aufsaugen.“ Es sei für jede Trainerin und jeden Trainer ein Traum, einmal im Maracana ein Spiel zu bestreiten. „Das ist der Wahnsinn, dass mein letztes Spiel in diesem Stadion stattfindet“, sagte Neid.

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Neid freut sich auf 'heißen Fight' um Olympia-Gold
Neid freut sich auf 'heißen Fight' um Olympia-Gold

Allerdings konnte das deutsche Team auch im olympischen Turnier nicht vollends überzeugen, nur mit Mühe überstand Neids Mannschaft die Vorrunde, in den K.-o.-Spielen konnten sich die Fußballerinnen aber steigern. Mit einem Offensivspektakel sollte am Freitag aber niemand rechnen: Neid legt in erster Linie Wert auf eine stabile Verteidigung – und Gegner Schweden spielt sogar noch defensiver. Die Skandinavierinnen brachten im Viertelfinale die USA und im Halbfinale Brasilien in 120 Spielminuten zur Verzweiflung und gewannen jeweils im Elfmeterschießen. US-Torhüterin Hope Solo bezeichnete die Schwedinnen für ihre Spielweise sogar als „ein Haufen Feiglinge“.

Gegen Schweden kommt es auf Kreativität an

Der schwedischen Trainerin Pia Sundhage ist das egal, die 56-Jährige ist mindestens genauso eigensinnig wie ihre langjährige Weggefährtin Silvia Neid. Schon als Spielerinnen trafen beide aufeinander, auch als Trainerinnen kreuzten sich ihre Wege immer wieder. Sundhage hat Neid genau jenen Erfolg voraus, der der Deutschen noch fehlt: Die Schwedin hat als Trainerin der US-Amerikanerinnen 2008 und 2012 jeweils olympisches Gold gewonnen, in Rio will sie dank einer rigorosen Defensivtaktik auch mit ihrem Heimatland triumphieren. „Wir müssen noch mal richtig kreativ sein, um dieses Bollwerk auseinanderzunehmen“, sagte Silvia Neid.

Sollte das gelingen, wäre die Goldmedaille ein würdiger Abschluss für eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Ära im Fußball der Frauen.

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