Olympia-Gastgeber : Eine Panne kommt selten allein

Manches in Vancouver funktioniert nicht wie geplant: Schon bei der Eröffnungsfeier klemmte es. Doch was anfangs noch sympathisch wirkte, hat sich längst zum Problem entwickelt. Und dann ist da auch noch das Wetter.

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Es hakt. Schon bei der Eröffnungsfeier klappte nicht alles: Eine Säule der Skulptur mit dem Olympischen Feuer blieb im Boden...Foto: dpa

Es war nur eine weitere Panne, in der schon in der ersten Woche an Pannen nicht gerade armen Geschichte der Olympischen Winterspiele von Vancouver. „Die Kritik an Vancouver 2010 ist berechtigt“, gibt die kanadische Zeitung „Globe and Mail“ zu. Vor allem der Veranstaltungsort Cypress Mountain bereitet fortwährend Schwierigkeiten. Die Wahl des 30 Kilometer von Vancouver entfernten Austragungsortes für die Snowboard- und Ski-Freestyle-Wettbewerbe erweist sich immer mehr als Fehler. Vancouvers Organisationskomitee Vanoc hatte auf spektakuläre Fernsehbilder in Stadt- und Wassernähe gehofft, doch der fehlende Schnee und die warmen Temperaturen machen Cypress Mountain zu einem einzigen Problemfall. „Die Halfpipe ist nicht in einem olympiawürdigen Zustand“, sagte Tim Stade, Sportdirektor des Snowboard-Verband Deutschland. Die deutsche Skicross-Nationalmannschaft bereitet sich gegenwärtig sogar in den Bergen von Whistlers vor, wo es wenigstens Schnee gibt. Dort hätte man die Snowboard- und Skifreestyle-Veranstaltungen besser ausrichten sollen. 

„Keine Frage, der Veranstaltungsort Cypress Mountain ist bis jetzt eine Herausforderung“, sagt Vanoc-Sprecherin Renee Smith-Valde. Zuletzt musste Vanoc 28.000 Eintrittskarten zurücknehmen, weil man die Sicherheit der Zuschauer nicht garantieren konnte. Das warme Wetter hatte das Stehen auf Schneeresten und Strohballen zu gefährlich gemacht. Auch gibt es in Cypress Mountain Transport- und Cateringschwierigkeiten. Bis zu drei Stunden mussten Zuschauer anfangs auf ihre Busse zur Heimfahrt warten, für die Versorgung der Zuschauer waren zu wenige Stände aufgebaut. Das sei aber nicht der Grund für die Zuschauerreduzierung, sagt der Vanoc-Verantwortliche für das Ticketing, Carley Denton: „Tatsache ist, dass uns einfach nicht wohl dabei ist, wenn wir in diesen Bereichen Zuschauer zulassen.“ Durch die Ticketzurücknahme verliert Vanoc 1,5 Millionen Dollar. 

Das Organisationskomitee muss noch mehr Geld ausgeben, um Pannen zu beheben. So ist im Richmond Olympic Oval am Mittwoch erstmals die Eismaschine der international bewährten Marke „Zamboni“ zum Einsatz gekommen, die aus Calgary per Lastwagen herbeigefahren werden musste. Zuvor hatte Vanoc versucht, das Eis mit zwei Maschinen eines Olympiasponsors zu bereiten. Diese produzierten aber nur unebenes Eis, eine Ersatzmaschine funktionierte nur zeitweise. „Das Eis hat keine olympische Qualiätt, das ist lächerlich“, sagte der holländische Eisschnellläufer Jan Bos. 

Probleme schon bei der Eröffnungsfeier

Auch um die olympische Flamme gab es Aufregung. Bei der Eröffnungsfeier kamen nur drei von vier Riesenfackeln aus dem Boden. Und eine zweite, überdimensionale Fackelkonstruktion am Hafen wurde von Beginn an kritisiert, weil sie weiträumig mit einem Sicherheitszaun abgesperrt war. Der kanadische Fernsehjournalist Tom Walters fragte die Vanoc-Sprecherin Renee Smith-Valade: „Ist nicht irgendjemand auf die Idee gekommen, dass es ein PR-Desaster ist, wenn man die Flamme und all die Ideale, die sie repräsentiert, hinter einen schäbig aussehenden Gefängniszaun steckt?“ Inzwischen hat das Organisationskomitee den Zaun näher an die Flamme gerückt und mit einem 30 Meter langen Fenster versehen, so dass die Olympiabesucher die vier Fackeln besser fotografieren können. 

Und dann sind da noch die Pannen, die bei Olympischen Spielen öfters vorkommen. Weiterhin bilden sich beim An- und Abtransport der Zuschauer lange Schlangen, nach den Biathlon- und Langlaufwettbewerben warteten die Zuschauer mehrere Stunden auf die Busse für die Heimfahrt. Im Biathlon-Verfolgungsrennen funktionierte bei der Schwedin Anna Carin Olofsson-Zidek die Startschranke nicht, andere sind zu früh auf die Strecke geschickt worden. 

Und schließlich ist da noch das zu warme Wetter, das für viele der Schwierigkeiten in Cypress Mountain verantwortlich ist und den Zeitplan der alpinen Skirennfahrer durcheinander gebracht hat. Am Mittwoch stieg das Thermometer in Vancouver auf frühlingshafte zwölf Grad. So warm soll es auch in den nächsten Tagen bleiben. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass kann Vancouvers Organisationskomitee für das Wetter ausnahmsweise mal nicht  verantwortlich gemacht werden kann.

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