Olympia im Ramadan : Siegen oder Fasten?

Muslimische Athleten haben es schwer, denn die Spiele fallen in den Fastenmonat Ramadan. Bei der Jagd nach Medaillen ist das hinderlich – doch es gibt Ausreden.

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Rudern im Ramadan. Sportlern, wie den Ägypterinnen Fatma Rashed (l.) und Sara Mohamed Baraka, hilft es, dass der Koran eine Ausnahmeregelung vorsieht: Wer auf Reisen ist, braucht nicht zu fasten.Foto: Reuters Foto: REUTERS
Rudern im Ramadan. Sportlern, wie den Ägypterinnen Fatma Rashed (l.) und Sara Mohamed Baraka, hilft es, dass der Koran eine...Foto: REUTERS

Schwitzen müssen die Sportler in London derzeit ohnehin schon. Doch auf die Muslime unter den Olympioniken kommt eine kaum zu bewältigende Doppelbelastung zu. Die Sommerspiele, die gestern offiziell eröffnet wurden und noch bis zum 12. August dauern, fallen in den muslimischen Fastenmonat Ramadan.

Ramadan bedeutet übersetzt soviel wie Sommerhitze oder heißer Monat. In diesem Jahr macht der islamische Fastenmonat seinem Namen alle Ehre, weil er vom 20. Juli bis 19. August dauert und somit in den europäischen Hochsommer fällt. Nach dem Koran dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder essen, trinken, rauchen noch Sex haben. Ein Großteil der geschätzt 3500 muslimischen Athleten bei Olympia wird das religiöse Fasten jedoch wohl aussetzen, weil es gar nicht anders geht. „Ich brauche während Olympia alle Nährstoffe und Mineralien. Ich werde nach dem Ramadan fasten, Allah wird das akzeptieren“, sagte der ägyptische Kajak-Fahrer Mustafa Saied.

Aber der Islam wäre keine richtige Religion, wenn es nicht auch festgelegte Ausnahmen gäbe. So hat der Prophet Mohammed verkündet, dass etwa Kranke, Schwangere und Frauen mit Regelblutung sowie Reisende nicht fasten. Als Ausgleich soll man für arme Menschen spenden. Von den Athleten, die zurzeit in London weilen, ist der Großteil angereist. Das dürfte als Ausrede genügen.

In anderen Bereichen des Leistungssports, etwa im Profifußball, ist das religiöse Fasten häufiger in der Diskussion. Die meisten muslimischen Fußballspieler in der Bundesliga verschieben das Fasten, so wie Bayern-Profi Franck Ribéry, der nur an spielfreien Tagen fastet. Wer nicht so variabel in seinem Glauben ist, für den kann es schnell Probleme geben. Entweder mit dem Arbeitgeber, wie 2009 beim FSV Frankfurt: Der Zweitligist sorgte für Aufsehen, als er seine drei muslimischen Profis Soumaila Coulibaly, Pa Saikou Kujabi und Oualid Mokhtari abmahnte, weil sie, ohne es mit ihrem Verein abzusprechen, während des Ramadan-Monats gefastet hatten.

Oder die Sportler scheitern am eigenen Körper, wie 2007 der ägyptische Handballer Hany El Fakharany. Der Spieler von den Berliner Füchsen musste ein Bundesligaspiel mit Krämpfen abbrechen, weil er vom Fasten zu sehr geschwächt war. Anschließend versprach er seinem Verein, wieder regelmäßig zu essen und zu trinken.

Ausnahmen gibt es aber auch: Der deutsch-marokkanische Fußballer Abdelaziz Ahanfouf hielt sich auch während seiner Profikarriere streng an die Fastenregeln und hatte dabei nach eigener Aussage kaum Probleme.

Nun ist die Belastung für Fußballer und Handballer nicht mit der eines Marathonläufers zu vergleichen. „Bei kurzfristigen Belastungen, wie beim 100-Meter-Lauf, würde es gehen“, sagt Dieter Böning, Professor für Sportmedizin. Der Experte für Leistungsphysiologie von der Freien Universität Berlin hält es nicht für sinnvoll und meint, dass fastende Leistungssportler keine Topleistungen bringen können. Wenn Sportler nicht genügend Energie, also Kohlenhydrate zu sich nähmen, würde das zu einem Leistungsabfall führen. Schlimm genug im Kampf um Medaillen. Doch gefährlich werde es vor allem durch das Verbot zu trinken, erklärt Böning. „Das hält man unter höchster Belastung höchstens eine Viertelstunde aus.“ Die Folgen: der Körper verliert beim Schwitzen zu viel Wasser, dehydriert und überhitzt.

Zuletzt waren die Olympischen Spiele 1980 in Moskau in den muslimischen Fastenmonat gefallen, der sich nach dem 354-tägigen Mondkalender richtet. Damals holte der muslimische Leichtathlet Suleiman Nyambui aus Tansania über 5000 Meter die Silbermedaille hinter dem Äthiopier Miruts Yifter. Nach eigenen Angaben hatte er auch während Olympia gefastet. Ob er ohne Fasten sogar gewonnen hätte? (mit dapd)

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