Sport : Olympia in Berlin

Das Nationale Olympische Komitee will von Frankfurt am Main in die Hauptstadt umziehen – der Senat lockt mit Grundstücken und Finanzhilfen

Robert Ide

Berlin. Als sich am Sonntag die Größen der Sportpolitik im Berliner Amtssitz von Innenminister Otto Schily trafen, um über die Leipziger Bewerbung für Olympia 2012 zu sprechen, da verteilten Hostessen seltsame Aufkleber. Auf denen stand in bunter Schrift: „Olympia 2012 in Leipzig – Berlin spielt mit.“ Zunächst wussten Beobachter nicht viel damit anzufangen, schließlich spielt Berlin in den Leipziger Planungen eigentlich keine Rolle. Für das Nationale Olympische Komitee (NOK) ist die Hauptstadt allerdings wichtiger als bislang angenommen. Denn nach Informationen des Tagesspiegel möchte das NOK, eine der wichtigsten deutschen Sportorganisationen, seinen Amtssitz verlegen. Von Frankfurt am Main nach Berlin.

Über den Umzug hat es bereits Spitzengespräche des NOK-Präsidenten Klaus Steinbach in Berlin gegeben. Nach Informationen aus Senatskreisen waren daran auch Sportsenator Klaus Böger und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit beteiligt. Böger wollte die Gespräche weder bestätigen noch dementieren. Auf Nachfrage sagte er: „Berlin hat natürlich ein hohes Interesse daran, dass das NOK seinen Sitz nach Berlin verlegt.“ Die nationale Sportpolitik gehöre ins politische Zentrum des Landes – und das sei Berlin. Aus NOK-Kreisen heißt es, dass insbesondere Steinbach einen Umzug favorisiere. Er ist seit seiner Wahl zum NOK-Chef im November 2002 um eine enge Kooperation mit der Bundesregierung bemüht. Steinbach wollte sich am Donnerstag nicht zu den Plänen äußern. Innerhalb des Verbandes gibt es allerdings, so heißt es in Funktionärskreisen, noch Vorbehalte. Auf einer Präsidiumssitzung des NOK sei gefragt worden, wie die Organisation den Umzug bezahlen wolle, berichten Teilnehmer. Auch hessische Vertreter seien aus lokalen Erwägungen gegen die Pläne.

Um dem Sportverband den Standortwechsel zu erleichtern, hat Berlin bereits konkrete Hilfsangebote gemacht. Im Senat erzählt man sich, dass Berlin die Überlassung von Grundstücken für die NOK-Zentrale in Aussicht gestellt habe – darunter ein repräsentatives Gebäude im Stadtzentrum. Das Angebot wurde schon im Senat abgestimmt.

Zudem haben die Vertreter Berlins den Sportfunktionären eine finanzielle Förderung des Deutschen Olympischen Instituts (DOI) angeboten. Dieses Institut, das zum NOK gehört und seit zehn Jahren in einer Villa am Wannsee sportpolitische Symposien veranstaltet, muss seit Ende 2002 ohne öffentliche Förderung auskommen und ist deshalb auf höhere Zuschüsse vom NOK und anderen Sportverbänden angewiesen. Im vergangenen Jahr hatte das DOI noch 110 000 Euro von Berlin bekommen. Nun will das Land die Immobilie am Wannsee verkaufen, dessen Wert auf mindestens sechs Millionen Euro geschätzt wird.

Falls das NOK nach Berlin umziehen sollte, könnte das Institut wieder mit Finanzhilfen rechnen. Zudem wird seit Monaten darüber diskutiert, dem DOI einen Ersatzstandort auf dem Olympiagelände anzubieten. Auf dem 130 Hektar großen Areal am Olympiastadion sollen in Zukunft auch andere Sportorganisationen angesiedelt werden, etwa das Büro des Boxstalls Sauerland.

Berlin hatte bislang wenig Glück mit der Ansiedlung von Sportorganisationen. Erst im Juli entschied sich die Führungsakademie des Deutschen Sportbundes, nach 23 Jahren Arbeit von Berlin nach Köln umzuziehen. Grund war die Streichung der Fördermittel. Köln hatte einen jährlichen Zuschuss von 300 000 Euro und den Bau eines neuen Domizils versprochen. In Berlin residieren bisher nur kleine Verbände, etwa der Schachverband, der Anglerverband und der Keglerbund. Der Umzug des NOK wäre dagegen ein Durchbruch. Erst wenn große Sportverbände ihren Sitz hier haben, kann die Stadt wirklich behaupten: Berlin spielt mit.

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