Olympia in der Antike : Olympia liegt in Deutschland

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau ist ein Beweis für eine produktive deutsch-griechische Zusammenarbeit.

Eleftherios Ikonomou
Die Spiel vor 2500 Jahren. Reliefierte Statuenbasis mit Sportdarstellungen – Ringer, Marmor; ca 510 v.Chr. Die Statuenbasis stand auf einem rechteckigen Pfeiler. In der Deckfläche eine Vertiefung zum Einsetzen der Plinthe. Die Front und die beiden Seitenflächen sind mit Reliefs geschmückt: Vorne vier unbekleidete Jünglinge, die drei der fünf Pentathlonkämpfe ausführen: Laufen, Ringen und Speerwerfen.
Die Spiel vor 2500 Jahren. Reliefierte Statuenbasis mit Sportdarstellungen – Ringer, Marmor; ca 510 v.Chr. Die Statuenbasis stand...Foto: © The Hellenic Ministry of Education and Religious Affairs, Culture and Sports. Archaeological Receipts Fund Foto: Socratis Mavrommatis

Es ist endlich so weit: Wir sind stolz auf die Vollendung eines Projekts, das viele Jahre vorbereitet werden, viele Institutionen und Organisationen vernetzen und viele Leute mit wissenschaftlichem, symbolischem und materiellem Kapital überzeugen musste. Hinzu kommt, dass dieses urgriechische Projekt einen hohen ideellen Wert für die internationale Kooperation und Zusammenarbeit besitzt. Dass wir durch die gerade beendeten Olympischen Spiele Aufmerksamkeit für eine archäologische Ausstellung bekommen, nehmen wir gerne hin. Das seltsame dabei ist, dass die dramatische Krise, in der sich Griechenland befindet, ein Faktor für die zusätzliche, besondere Aufmerksamkeit dieser Ausstellung ist. Wir hätten gerne, dass die interessierten Blicke in ruhigeren Zeiten auf dieses Projekt fallen würden und nicht, weil die in aller Munde liegende Krise die Wahrnehmung für griechenlandbezogene Angelegenheiten geschärft hat.

Es ist das erste Mal seit 1972, dem Jahr der Olympischen Spiele in München, dass eine Ausstellung über Olympia als Kultort, Archäologiemittelpunkt und Geburtsstätte der Olympischen Spiele in einem solchen Umfang stattfindet. Zwischen Olympia und Deutschland besteht eine jahrelange, ja schicksalhafte Beziehung. „Mythos“ Olympia also nicht nur, weil der Ort auf der Peloponnes, in dem eines der sieben Weltwunder der antiken Welt – die Zeus-Statue des Phidias – zu Hause war, sondern auch, weil zwischen Olympia und Deutschland eine besondere Beziehung besteht, die als Projektionsfläche diverser Ideologien fungierte. Olympia ist nicht nur generell weltweit mythisch umwoben, sondern speziell in Deutschland mit konkreten ideologisch-politischen und kulturell-ästhetischen sinngebenden Vorstellungen geladen. Olympia wurde in Deutschland systematisch mythisiert; auch deswegen ist diese Ausstellung besonders wichtig.

Die ersten Ausgrabungen in dem unscheinbaren Ort im Nordwesten des Peloponnes unternahmen 1875-1881 deutsche Archäologen. Der Ort war bereits in der Vorgeschichte eine Pilgerstätte für die ganze Region und bis zum 8. Jahrhundert muss sein Ruhm weit über Griechenland gereicht haben, was Funde von Opfern und Gaben belegen. Das Jahr 776 v. Chr. war eine Zäsur nicht nur für den Ort Olympia, sondern auch für die gesamte antike Welt: Es fanden die ersten Olympischen Spiele statt. Ab diesem Punkt und bis 394 n. Chr., als Kaiser Theodosius I. sie als heidnisch verboten hatte, waren die Spiele in Olympia nicht nur identitätsstiftend für das kollektive Bewusstsein im antiken Griechenland, sondern markierten auch die Zeitmessung für die Griechen – so markiert die Bibel die Geburt Christi im 4. Jahr der 194. Olympiade. Nach dem Verbot der Spiele verkamen die Heiligtümer und die Sportstätte und das Areal wurde allmählich aus geologischen Gründen teilweise zerstört, teilweise zugeschüttet.

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