Sport : Olympia in fünf Sprachen

Bundespräsident Horst Köhler trifft in Peking die Nachwuchsredaktion der Paralympics-Zeitung

Annette Kögel[Peking]

Einen schöneren Auftakt hätte es für den Bundespräsidenten nicht geben können. Schon am ersten Wettkampftag der Paralympics in Peking konnten sich die deutschen Sportler mit körperlicher Behinderung gleich über drei Medaillen freuen. „Sie werden mir das nachsehen“, sagte Horst Köhler dennoch gestern in der Deutschen Botschaft in Peking vor 600 geladenen Gästen, „dass für mich an diesem Abend aber etwas anderes wichtiger ist: die Begegnung mit den Athleten“.

Auch eine Begegnung mit Jugendlichen war dem Präsidenten wichtig: Er traf die Nachwuchsredakteure der mehrsprachigen Paralympics-Zeitung. „Das Zeitungsprojekt kenne ich noch von den vergangenen Spielen, schön, dass alle wieder dabei sind“, sagte Köhler beim ersten Händeschütteln mit Schülerin Franziska Kjasimow aus Berlin. Wie bei den Paralympics 2004 in Athen wird die Zeitung vom Tagesspiegel betreut. Diesmal wird sie von Berliner und Pekinger Schülern gemeinsam erstellt.

Sport soll auch in China die Verständigung erleichtern. „Ich habe keinen Zweifel am Weg Chinas zur Öffnung“, sagte der Bundespräsident. „Wir sind gut beraten, den eigenen Standpunkt sehr klar und deutlich zu machen“ – die Gespräche und Begegnungen während der Spiele würden den Weg weiter ebnen für Demokratie und Menschenrechte. „Die Sportler haben mir erzählt, dass die Chinesen unglaublich offen, hilfsbereit und freundlich auf sie zugingen“, davon könne auch Deutschland lernen, sagte Köhler. Nach seiner Rede sprangen Kung-Fu-Kämpfer über die Bühne der Deutschen Botschaft, chinesische Volksmusik brachte die Besucher in Stimmung. Diese griffen gleich zur ersten Ausgabe der fünfsprachigen Paralympics-Zeitung, denn das Blatt lag auch hier aus. So schmökerten der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang und der stellvertretende Außenminister Hu Zheng Yue in den Seiten.

Die Paralympics-Zeitung unter der Ägide des Tagesspiegels ist auch im Paralympischen Dorf in Peking präsent: Auf einem wandhohen Plakat prangen Portraits und Bilder des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und seines Pekinger Amtskollegen Guo Jinlong sowie deren Grußworte für die Paralympics-Zeitung – sowie jeweils Faksimiles des Titelblattes der ersten Ausgabe. Wowereit hatte den Schülern noch am Freitag am Flughafen Tegel beim Abflug nach China in seiner Rede persönlich alles Gute gewünscht.

Als dann der deutsche Bundespräsident in der Technik-Werkstatt in Peking zu Besuch kam, zückte die Berliner Schülerin Franziska Kjasimow von der Bertha-von-Suttner-Oberschule, derzeit Korrespondentin der Paralympics-Zeitung, den Stift und befragte ihn sogleich nach seinen Eindrücken in Peking. „Die Paralympics in China sind für mich weit mehr als eine Propagandaveranstaltung“, sagte der Bundespräsident. Behindertensportler seien mit ihren für einige Zuschauer womöglich ungewohnten, aber schnell begeisternden Auftritten eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Nach dem Empfang verabschiedeten sich die Sportler zum Training für ihre Wettkämpfe. „Die Paralympics-Zeitung nehmen wir natürlich mit“, sagte Tischtennisspieler Daniel Arnold, als er sich auf den Weg zurück ins Paralympische Dorf machte.

Berichte zu den Paralympics und die Paralympics-Zeitung im Internet:

www.tagesspiegel.de/paralympics

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